Die Fälscher: Milliarden-Geschäft mit Fakes aus China | Panorama – die Reporter | NDR

Dies ist die Geschichte einer Fälschung Es geht um diesen Rucksack: den Fjällräven Kanken Angeblich der meistverkaufte Rucksack Im Original kostet er rund 90 Euro Im Internet wird er oft für viel weniger angeboten Vielleicht kennen Sie ja solche Anzeigen Dahinter stehen oft Fälscher aus China Meine Frau fiel auf so eine Anzeige herein Der Zoll hat ihre Bestellung abgefangen Hier ist das gute Stück Das ist der Rucksack, den Ihre Frau nicht kriegt. Super Das kommt aus China Die meisten Produktfälschungen kommen ausm asiatischen Raum Normalerweise verbrennt der Zoll solche Fälschungen Für uns macht er eine Ausnahme und zerschneidet den Rucksack Denn wir wollen seine Spuren zurückverfolgen – bis nach China Wir waren in ‘ner Fabrik, die Rucksäcke herstellt Völlig krass, kann man kaum drin atmen Die Leute produzieren da bis zu 30.000 Rucksäcke im Monat Säckeweise alles vollgestellt – darunter auch Fakes Und jetzt hauen wir besser ab Das Geschäft mit Produktfälschungen wächst weiter Kriminelle verdienen damit mehr als mit Menschen- oder Drogenhandel Der Schaden allein für Deutschland: rund 50 Mrd. Euro pro Jahr Der Diebstahl geistigen Eigentums ist hoch politisch und bedroht die weltweite Handelsordnung Wir können China nicht länger erlauben, unser Land zu plündern Es ist der größte Diebstahl der Geschichte Wir wollen wissen: Wie funktioniert das Geschäft mit den Fälschungen? Wer steckt dahinter? Und warum ist es so schwer, die Fälscher zu stoppen? Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2019 Das Postverteilzentrum am Flughafen Frankfurt Alles, was von außerhalb per Luftpost ankommt, muss hier durch Täglich etwa 1,4 Mio. Sendungen Auch unser gefälschter Rucksack kam hier an Hier verläuft die Frontlinie im Abwehrkampf gegen Chinas Produktfälschungen 90 Zöllner arbeiten in zwei Schichten und können nur Stichproben kontrollieren Einer von ihnen ist Marcus Redanz Das ist der Rest von einem Fake-Rucksack Und auf dieser Zollanmeldung, da hat unterschrieben – ein Jack Jack also Und per E-Mail hatte Bella auf die Beschwerden meiner Frau geantwortet Bella und Jack wollen wir also finden Wir hatten Glück, dass der Zoll unseren Rucksack aufgehalten hat Sonst gäbe es diese Recherche nicht War das ein glücklicher Treffer? Oder wie wählen Sie aus, was Sie kontrollieren wollen? Stichproben? Risikoorientiert Über gewisse Länder kommen gewisse Sachen an, und dann guckt man spezieller hin Es gibt Hinweise durch jahrelange Erfahrung, wo man weiß: Aus diesem Land kommen Arzneimittel, aus dem anderen Markenschutz China ist ‘n Allroundtalent, da kommt alles her Da kriegen Sie Markenschutz her, Produktsicherheit Da kommt alles her Sind Pakete aus China mehr geworden? Seit es Internet gibt und die Online-Bestellungen, wird man überrannt Mit Instinkt, Pakete betasten und dran riechen: So versucht Marcus Redanz, Fakes und Illegales zu entdecken Das ist echt? Ja Ein kleines Krokodil etwa Ausgestopft und präpariert als Wandschmuck Außerdem: Gefälschte Kopfhörer Gefälschte Luxusuhren Gefälschte Luxustaschen Gefälschtes Parfüm Jede Menge Potenzmittel Und unser Rucksack-Modell ist auch dabei Zwei, drei vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn und mit dem elf An einem Tag? An einem Tag Alles, was hochpreisig ist Ja, was hochpreisig ist, was grad in ist, worauf die Menschheit momentan abfährt, was modern ist Alles was in ist, das wird auch nachgemacht Fazit: Die Fälschungen kommen oft in kleinen Paketen Der Online-Handel mit vielen kleinen Sendungen verschärft das Problem massiv Viele Shops können Fakes gut tarnen Stefan Moritz hilft Unternehmen, gegen Fälschungen im Internet vorzugehen Wir haben ihm unseren Fall geschildert

Er hat in kurzer Zeit Dutzende Fjällräven-Fake-Shops ausgemacht Die Internetseiten sehen fast wie der originale Auftritt aus, sind aber gefälscht Auf so eine täuschend echte Seite ist auch meine Frau hereingefallen Wenn wir uns die Seite anschauen, sehen wir, dass die durchaus sehr echt gemacht wurde Der durchschnittliche Konsument könnte denken, dass es ‘ne echte Seite ist Tatsächlich kopieren die Fälscher nicht nur das Produkt, sondern oft den ganzen Online-Auftritt einer Marke Wenn die Falle aufgebaut ist, werden Käufer über Anzeigen angelockt: mit vermeintlichen Preisnachlässen Sie müssen sich vorstellen, dass diese Missbrauchstäter operieren wie ein normales Unternehmen Sie stellen sich auf Social-Media-Plattformen Sie nutzen Webseiten, Marktplatz-Aktivitäten, um sich zu positionieren Wir reden hier klar über organisierte Kriminalität Auch deshalb reden betroffene Firmen fast nie öffentlich über Produktfälschungen Die Marke soll nicht damit in Verbindung gebracht werden Fjällräven macht eine Ausnahme Auf einer Messe treffen wir Martin Nordin Er ist der Sohn des Gründers und Chef des Unternehmens Durch Fälschungen verliert seine Firma viel Geld Aber ihn treibt auch der gute Ruf seiner Outdoor-Marke um Das ist noch übrig Hier ist Ihr Logo Ein Teil davon zumindest Mal nachschauen Ich bin kein Techniker, ich mach die Bewertungen nicht Es ist mit irgendeinem Plastik behandelt Was geht Ihnen hierbei durch den Kopf? Ich bin wütend, man kann nichts anderes sagen Also, ja Sprachlos eigentlich Was für Plastik ist das? Was für Chemikalien sind drin? Wir investieren häufig Geld, um die Umweltfragen Wir versuchen irgendwie, Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden und anderen aufzubauen Dann passiert so ein Scheiß Da finde ich keine anderen Worte Das Problem sind die Spuren: Wo wird das hergestellt? Ehrlich gesagt: Wir reden von 1,4 Mrd. Einwohnern Nadel im Heuhaufen? Das ist richtig Ist ein großes Land mit viele Leute Und alle möchten reich werden Unser gefälschter Rucksack riecht unangenehm chemisch Könnten die Fälscher nicht nur Firmen sondern auch Verbraucher schädigen? Wir sind in Delmenhorst verabredet Hier gibt es ein Labor für chemische und mikrobiologische Analytik Es ist das Reich von diesem Mann: Gary Zörner Wir haben ihm einen Teil unseres Rucksacks überlassen, damit er ihn auf Giftstoffe untersucht Das Ergebnis ist erschreckend In dem gefälschten Rucksack haben wir Antimon, Blei und Kadmium in hohen Konzentrationen nachweisen können Die waren im Original-Rucksack nicht vorhanden Antimon ist hoch giftig, krebserregend Was mit der Haut in Berührung kommt, kann direkt in den Körper kommen Andererseits dämpfen viele Stoffe auch aus, je heißer das ist Wenn ich den Rucksack aufm Schoß hab oder auf dem Rücken und nur ‘n dünnes T-Shirt anhabe: Dann verdampfen die Stoffe und dann über die Haut in den Körper diffundieren Was verdampft, kann ich auch einatmen Unser Rucksack ist keine harmlose Kopie, sondern eine Gesundheitsgefahr So wie viele der Fälschungen aus China Das Geschäft läuft gut, weil es an Kontrollen vorbeilaufen kann Das lassen wir einfach so zu? Fälschungen ist das Thema von Thomas Bareiß Wir treffen ihn bei Stuttgart In der Bundesregierung kümmert er sich um Handelsfragen Er beziffert den Schaden für die deutsche Wirtschaft auf 50 Mrd. Euro jährlich – ein wachsendes Problem Was tut die Regierung konkret gegen Produktfälschungen? Wir sprechen natürlich das Thema immer wieder an vor Ort Erst neulich waren wir in China – Minister Altmaier und ich Es war Teil jedes Gesprächs Die Chinesen lieben das direkte Wort, da kann man auch ernsthafter rangehen Das ist auch notwendig Ist das nicht etwas naiv,

wenn man sagt, man geht mit Appellen an die Chinesen ran? Wie bei vielen Dingen muss man zweigleisig fahren, auch verschiedene Kanäle nutzen Das Problem ist, das sagen auch die Unternehmen: Vorsicht, das ist unser wichtigster Markt Insofern ist China mit seiner Marktmacht kein einfacher Partner für uns Wir spielen nicht immer nur auf Augenhöhe Ist das der Preis, den die Wirtschaft für ihr China-Geschäft zahlen muss? Nein Bei dem Thema darf es keine Kompromisse geben Man muss die Themen ansprechen, um sein Recht kämpfen Gespräche und Appelle, mehr kann sich Deutschland nicht leisten Es wirkt, als sei die Bundesregierung hilflos Wir wollen die Leute aufspüren, die sich weder von Unternehmen noch von der Bundesregierung stoppen lassen Mein Kollege Felix und ich reisen als Geschäftsleute, um möglichst unbeobachtet zu bleiben Zwei Namen haben wir: Bella und Jack Die haben uns den gefälschten Rucksack verkauft Aich in China sind Produktfälschungen verboten Offenbar wird das Verbot nicht durchgesetzt Fakt ist: China stieg in wenigen Jahrzehnten zur zweitgrößten Handelsmacht auf Viele sagen, auch dank des Diebstahls von geistigem Eigentum Die Volksrepublik wandelt sich zur Hightech-Nation Metropolen wie Shanghai: Gesicht des neuen Chinas, in dem 600 Mio. Menschen aus bitterster Armut entkommen sind Zugleich ist China ein Überwachungsstaat, der seine Bürger fast komplett kontrollieren will Der Aufschwung ließ eine gigantische Mittelschicht entstehen Und die ist in Kauflaune In Shanghais Fußgängerzone finden sich viele bekannte Marken Konsum steht nicht mehr im Widerspruch zur politischen Ideologie Doch schnell begegnet uns ein anderes China Ein Mann spricht uns an, will uns Fälschungen verkaufen Reporterglück From Germany Ist sehr witzig, dass man nach 30 Sekunden schon angequatscht wird, dass man Fakes kaufen kann Jetzt gehen wir hier mit einem Jimmy, nicht so weit weg von Bella und Jack Jimmy bringt uns zum Fake-Shop Kanken-Backpacks? Like this? Yeah, yeah! Many, many! Jimmy führt uns aus der Fußgängerzone, weg von Glitzerfassaden Wir gehen eine ganze Weile Dann geht’s in eine Art Kaufhaus Wir wechseln zur versteckten Kamera in der Brusttasche Jimmy führt uns mehrere Stockwerke nach unten, bis wir hinter Plastikplanen den Fake-Markt erreichen Do you need luggage? Backpacks? Jimmy führt uns gezielt zu einem Fakeshop Hier gibt es Taschen diverser Luxusmarken Auf dem Tablet zeigt man uns das Sortiment an Taschen und Rucksäcken Unser Modell ist nicht dabei Deshalb beschließen wir zu gehen Wir waren mit Jimmy unterwegs Er hat uns in das unterirdische Labyrinth geführt – voller lauter Geschäfte, direkt an der U-Bahn Es gab viele Markenrucksäcke zu sehr günstigen Preisen Kanken war nicht dabei Deswegen haben wir nichts gekauft China ist offenbar ein widersprüchliches Land Luxuskonsum und Fälscherei existieren nebeneinander Xifan Yang ist China-Korrespondentin Wir wollen wissen: Wie passt das? Warum wird in China so viel gefälscht? Weil wir undercover reisen, nehmen wir den Ton unauffällig mit dem Handy auf Es wird viel gefälscht, weil Fälschen in Chinas Kultur nichts Schlechtes ist Es war immer so, dass man den Meister kopiert hat Wenn man ihn perfekt imitiert hat, konnte man sich weiterentwickeln Es war eine Respektsbekundung Aber das Verhältnis der Chinesen zu Fakes ändert sich auch In Puxi hast du rund um den Jing’an-Tempel auf zwei Quadratkilometer vier fünf Louis-Vuitton-Stores Das hast du sonst nirgendwo, weil die Chinesen inzwischen Wer etwas auf sich hält, der kauft keine Fakes Wir erzählen ihr von dem Fake-Markt Die soll es gar nicht mehr geben

Fälschungen sind auch in China verboten Wenn etwas verboten ist, heißt es noch nicht, dass es nicht weiter existiert Und manchmal heißt es auch nur, dass etwas vorübergehend verboten ist Daher hat man hier Läden, die sich hinter einer zweiten Regalebene erst öffnen Die existieren nicht, aber irgendwie doch Nach ‘ner Razzia verschwinden die Läden vielleicht für ein paar Wochen Schon merkwürdig China baut die modernsten Städte, aber setzt die eigenen Gesetze selbst in den Metropolen nicht durch Wie sieht es wohl erst anderswo in China aus? Um tiefer vorzudringen, holen wir uns Verstärkung Privatermittler Kevin hilft Unternehmen, gegen Fälscher vorzugehen Kevin will unerkannt bleiben, um seine Arbeit in China nicht zu gefährden In seinem Büro stapeln sich gefälschte Produkte Sein Job besteht vor allem darin, Beweise zu sichern Dafür besucht er undercover verdächtige Geschäfte und Produzenten Das ist das, was wir auch vorhaben Ausgehend von unseren Spuren hat Kevin einige Adressen recherchiert, die wir besuchen wollen Ein Ort auf Kevins Liste ist nicht weit entfernt Wir fahren eine Stunde durch Shanghai Gegenüber des Science-and-Technology-Museums liegt auch ein Fake-Markt Hier ist das Angebot deutlich größer: Hier gibt es Sporttrikots Uhren Und natürlich Taschen, Koffer und Rucksäcke Wir fragen uns durch und werden fündig Kanken in diversen Farben und Ausführungen Die Verkäuferinnen sprechen gutes Englisch Sie erklären, sie hätten mehrere Qualitätsstufen von Fälschungen im Angebot Wir feilschen und drücken den Preis auf umgerechnet 12 Euro Zur Erinnerung: Ein Original würde 90 Euro kosten Als wir doch nichts kaufen, werden wir wüst beschimpft Hey! Was ist mit euch nicht in Ordnung? Ihr verschwendet meine Zeit, seid ihr bekloppt? Offiziell hat die Regierung Fälschern den Kampf angesagt Doch mitten in Shanghai wird mit Fakes gehandelt Was können ausländische Unternehmen in China tun, um sich zu schützen? Anwalt Falk Lichtenstein vertritt internationale Unternehmen, auch in Sachen Markenrecht Wie schwierig ist es für Markenrechtsinhaber, ihr Recht in China durchzusetzen? Man braucht Zeit Wenn ausländische Unternehmen klagen, gibt es keine Höchstfristen Das ist alles sehr formalistisch und dauert Zeit Chinesische Strafverfolgungsbehörden sind sehr zurückhaltend, wenn es um um Strafanzeigen von Ausländern geht Zum Teil bekommt man unverblümt gesagt, dass sie Strafanzeigen von Ausländern nicht nachgehen Damit müsse man sich abfinden Wie gefährlich ist es, Fälschern hinterher zu steigen? Man muss dort mit allem rechnen Gerade jenseits der großen Städte sind die Strukturen noch verfilzt und mafiös Da hat man wenig Unterstützung von lokalen Behörden Hinzu kommt, die Leute haben zum Teil eine höhere Risikobereitschaft Und das Bedürfnis, sich emporzuarbeiten ist ein ganz anderes, als wir uns das vorstellen können Viele Chinesen kommen aus bitterster Armut und da ist teils jedes Mittel recht Wir fahren zum Flughafen Ermittler Kevin hat eine Spur Sie führt in ein anderes China Wir fliegen nach Guangzhou, nördlich von Hongkong In der Gegend leben 44 Mio. Menschen Die Stadt ist die Werkbank der Welt für Taschen und Rucksäcke – und als Fälscher-Hochburg Hier könnten Bella und Jack sitzen Und hier irgendwo werden die Fake-Kanken hergestellt Bevor wir suchen: Besprechung im Hotel, denn wir müssen uns gut vorbereiten Wir werden als Geschäftsleute auftreten und versuchen, große Mengen an Kanken-Fakes zu kaufen Das Geschäft anzubahnen und versuchen, dieses Netzwerk besser zu verstehen, es einzukreisen Diese Gegend hier ist das Zentrum der Fake-Industrie?

Ja, auf jeden Fall, das ist das Zentrum Du kannst alles finden, wenn du lange genug suchst Und wenn du weißt, wo du suchen musst Wir haben Kevin alles geschickt, was wir über Bella und Jack wissen Kontos, Webseiten, E-Mails Damit konnte er Verbindungen herstellen zu einigen Geschäften in Guangzhou Ein Ort sticht besonders heraus Ein Ort, den wir definitiv besuchen wollen, ist ein Ort namens Sunrise Leather Shop Dies könnte ein Lieferant sein, oder Kunden Oder jemand, der die Bestellung erhalten und sie aus ihrem Geschäft verschickt hat Oder sie könnten Bella und Jack sein Bella und Jack könnten auch Teil eines Netzwerks sein Auf jeden Fall vermuten wir, dass sie mit Bella und Jack verbunden sind Wir wissen nicht wie, aber sie sind unsere beste Spur Let’s go there and see what we can find Im Auto vertiefen wir uns in unsere Rollen Wir sind Geschäftsleute, interessiert an Lieferungen gefälschter Rucksäcken Treffen wir die Fälscher, die uns den Rucksack geschickt haben? Fälschern, die Firmen und Staaten auf der Nase herumtanzen? Konfrontieren können wir sie mit diesem Vorwurf nicht Aber vielleicht verraten sie sich Wir drehen mit versteckter Kamera Schon vor der Tür finden wir einen gefälschten Kanken Was hältst du von dem? Ja, ist doch gut Zwar ist nur eine Art Fantasie-Logo aufgenäht, aber öffnet man den Rucksack, ist innen das Original-Logo Wir zeigen uns sehr interessiert und fragen, ob er andere Farben hat Der Ladeninhaber reicht uns sein Smartphone Ja, die gibt es auch Also tasten wir uns langsam vor Verschifft er die auch ins Ausland? Er habe viele Kunden, die das machen Er selbst tue das nicht Als Kevin erklärt, dass wir große Mengen wollen, reagiert er verhalten Zuletzt wollen wir wissen, ob er den englischen Namen Jack benutzt Da lacht er und sagt: Er habe keinen englischen Namen Aber eine Sache macht uns stutzig: Die hatten in der Ecke ‘ne ganze Kiste mit dem Zeug, wollten sie uns aber nicht zeigen, weil das reserviert sei Wir haben gefragt, ob sie uns ihre Lagerhalle zeigen können Wir gehen davon, dass die um die Ecke ist – wollten sie aber nicht Sie waren insgesamt vorsichtig und etwas skeptisch, was wir wollen Kevin ist sich immer noch sicher: Dieser Laden hat mit dem Fälscher-Netzwerk rund um Bella und Jack zu tun Um die Fälscher zu finden, ändern wir die Strategie und suchen nach Herstellern Vielleicht kommen wir so an die Quelle der gefälschten Rucksäcke ran Unser nächstes Ziel: ein Markt, auf dem Materialien angeboten werden Hier bekommt man alles, um Taschen, Koffer oder Rucksäcke herzustellen Wie etwa Stoffmuster oder ganze Stoffbahnen Aber auch Reißverschlüsse, Knöpfe bis hin zu Logos Auch hier finden wir Produktfälschungen Aber der Kanken ist zunächst nicht dabei Bis wir in einer Vitrine doch einen Kanken finden Jackpot! Jo Wieder spielen wir unsere Rolle Geben uns interessiert an großen Stückzahlen, lassen uns beraten, verhandeln Preise Die Inhaberin erzählt uns, dass sie selbst keine Kanken herstellt Sie gibt uns eine Telefonnummer Wir haben eine neue Spur * Telefoniert auf Chinesisch * Wir haben eine Verabredung, uns sie bringt Kanken mit? Genau. Morgen um 11.30 Uhr? Vielleicht müssen wir sie zum Essen einladen Du bezahlst Der nächste Morgen Verabredet sind wir in einem nahen Hotel Die vermeintliche Produzentin sollte uns Rucksäcke mitbringen,

damit wir uns einen Eindruck von der Qualität machen können Jetzt schauen wir mal, ob sie tatsächlich auftaucht Und ob sie uns zur Produktionsstätte führt, um das mal mit eigenen Augen zu sehen Also warten wir 10 Minuten 20 Minuten Nichts passiert Dann taucht plötzlich eine zierliche Frau auf Wir ziehen uns in einen Besprechungsraum zurück Die Frau zeigt uns Kanken-Fälschungen in verschiedenen Farben und Formen Sie habe Tausende davon auf Lager Was uns beeindruckt: Auf den Tüten ist sogar der Grüne Punkt gedruckt Das ist unsere Chance Wir wollen das Lager sehen, um uns zu vergewissern, dass sie große Mengen liefern kann Die Frau willigt ein Sie fährt mit uns eine halbe Stunde in ein heruntergekommenes Wohngebiet Was wir hinter dieser Tür sehen, übertrifft unsere Erwartungen Das Haus ist eine kleine Fabrik Im ersten Stock ist die Produktion Arbeiter nähen aus Einzelteilen, den Rohlingen, die Kanken-Fakes * Nähmaschinen-Rattern * In welchem Ausmaß, wird eine Etage höher klar In 10er-Paketen liegen hier Tausende Rücksäcke in vielen Farbkombinationen Die Produzentin hat nicht zu viel versprochen Tatsächlich finden wir auch unser Kanken-Modell: Türkis mit pinken Griffen Hier könnte die Geschichte unseres Rucksacks ihren Anfang genommen haben Wir spielen weiter unsere Rolle als Geschäftsleute Also verhandeln wir Umgerechnet 4 bis 5 Euro pro Rucksack verlangt sie, je nach Modell Sie arbeite mit Leuten, die die Ware verschicken Sie könne sogar Container nach Rotterdam oder Hamburg verschiffen Zuletzt fragen wir, wie viele Rucksäcke sie produzieren kann Kevin übersetzt Sie sagt, sie könne bis 30.000 Rucksäcke pro Monat produzieren Das ist realistisch Sie kann die ganze Nachbarschaft einbinden Rund um die Uhr 30.000 Fälschungen pro Monat, aus nur einer Fabrik So sieht sie aus Die gigantische Fälscherindustrie Hinter Wohnhausfassaden und in Hinterhöfen Zum Abschluss geht es in die Stadt zum gemeinsamen Mittagessen Sie erzählt, dass sie die Fabrik seit fünf Jahren betreibt Dann berichten wir dem Team, was wir gerade gesehen haben Schau mal: Schwarze Kanken Bunte Kanken Es gibt kleine bunte Kanken Es gibt schwarz mit komischen Griffen Es gibt orangene Kanken Und es gibt natürlich unseren Kanken Kevin meint: eine der größten Sachen, die er je gesehen hat Sie ist die Queen of Kanken Sie hat die größte Fabrik, die du dir vorstellen kannst Mao würde im Grab rotieren Oder vielleicht würde er sagen: gut gemacht Das ist chinesischer Sozialismus Unsere Suche endet, wie sie begann: mit einem gefälschten Rucksack Das Milliarden-Geschäft mit Fälschungen geht weiter Es ist einfach zu lukrativ, Fälscher haben wenig zu befürchten Die Bundesregierung wirkt hilflos und der Online-Handel macht es dem Zoll noch schwerer So landen am Ende hochgiftige Fälschungen bei uns Vielleicht müssen wir uns selber schützen, indem wir sehr genau schauen, wo und zu welchem Preis wir kaufen Copyright Untertitel: NDR 2019