Von Neulingen und alten Hasen – Im Wohnmobil durch Europa (1/3) | SWR Doku

(Bewegte Klaviermusik) Verrentet – was nun? Das kann doch nicht alles gewesen sein, sagen sich Hilde Abstreiter und Herbert Kiegeland Doch die beiden haben einen Traum: Wir kaufen uns ein Wohnmobil! Da haben wir jetzt aber viel zu machen Wir sind jetzt beide in Rente und da wollen wir die Zeit natürlich auch ausnutzen für Reisen und wir reisen sowieso immer schon gern Ja – Bisher immer nur mit dem Pkw Doch sie hatten Freunde mit einem Wohnmobil und die erzählten begeistert von ihren Reisen Ich hab mir ein Wohnmobil angeschaut von innen und irgendwie hab ich Feuer gefangen Und jetzt bin ich soweit, wo ich sag, es muss eins her Ich brauch eins, es gehört zu meinem Lebensstil dazu von Freiheit, Unabhängigkeit und na ja, leben, einfach: lass das Leben leben und genießen (Belebte Musik) Ein Wohnmobil soll her, doch welches? Wie das Traummobil genau ausgestattet sein soll, wissen die beiden Greenhorns noch nicht Das ist teuer – Ja Und der hat nur eine Länge von sechs Metern Darum ist das Bett hinten so schmal, da passt nur einer rein Herbert war Lehrer, Hilde Hotelfachfrau Da spielen die Kosten schon eine Rolle (Belebte Musik) Lieber wäre uns ein gebrauchtes, weil wir ja noch nicht zu 100 Prozent festgelegt sind für die nächsten Jahre Und vielleicht ein kleineres Wenn wir ein kleineres kaufen würden, neu, und wir sagen uns nächstes Jahr, es soll doch ein größeres sein, das wär natürlich dumm Also los Gebrauchte gibt es hier offenbar genug (Belebte Musik) Schauen wir uns den da an (Sie sprechen leise weiter.) (Knall) Spätestens nach dem sechsten wird die Sache klarer Ein Gebrauchtes ist nicht so optimal für mich Da hat jemand drinnen gewohnt und nichts von mir ist da vorhanden Das spür ich in dem Mobil ganz extrem Der Geruch schon, da vorne das Abgenutzte, ist schadhaft das Ganze, gefällt mir nicht Man sieht bei dem auch innen die Gebrauchsspuren Ja, sieht man schon – Außen natürlich auch Wenn man mal da hochguckt an das Dach, da hat sich Moos angesetzt Das sieht nicht so Na, also das wäre jetzt – Genau Eins ist also schon mal sicher: Ein Gebrauchter wird es nicht Das geht ja von den Kilometern her Wenn wir morgen über diesen Tag reden, werden wir auch sagen: “Gut, dass wir keins gekauft haben.” (Lockere Musik) Patrick und Verena Fuchs leben ihren Traum schon lange, seit acht Jahren reisen sie im selbstausgebauten Wohnmobil (Lockere Musik) Gerade starten die beiden Globetrotter zu einer mehrjährigen Afrikatour Denn so schön das Allgäu ist, die beiden zieht es in die Wärme (Lockere Musik) Wir sind vom Afrikavirus befallen Wer einmal auf diesem Kontinent war, wird immer wieder zurückkehren Wir lieben die Landschaft, wir sind von den Menschen begeistert Wir essen gerne afrikanisches Essen und sind auch von dem Lebensgefühl der Afrikaner einfach angesteckt Ziel ist jetzt erst einmal Spanien und dann per Fähre Afrika Wir freuen uns schon mal auf Spanien Das Allerwichtigste für uns ist, dass wir in eine warme Gegend kommen Und wir wieder in kurzen Hosen und T-Shirt rumlaufen können Dann freuen wir uns besonders drauf, wieder ans Meer zu kommen, weil das lieben wir einfach Heute kommen sie aus Berlin, wo sie noch wohnhaft gemeldet sind Bevor sie auf die lange Reise gehen, verabschieden sich die beiden Globetrotter von Patricks Großeltern in Leutkirch Hier bei ihnen im Allgäu ist Patrick aufgewachsen Hallo! – Hallo! Hallo! – Hi! Hi! (Leises Gespräch) Großvater Fuchs ist 90, die Großmutter 88

Wir drücken die Daumen, dann wird das schon gehen Anfang nächsten Jahres geht’s mit der Fähre von Spanien nach Marokko Dann bleiben wir da ein bisschen Dann weiter nach Mauretanien, weil Marokko sind zu viele Leute Mauretanien wird’s dann schon leerer Und dann wahrscheinlich weiter bis zur Elfenbeinküste Was wir dann genau machen in Marokko, wissen wir noch nicht Wir wollen einfach ins Warme, schön ans Meer Ein bisschen Wüste angucken Man hat immer wieder Angst, dass ihnen was passiert Besonders jetzt in dieser Weltlage, wo so viel los ist Da hat man sowieso viel Angst Ich kann nicht dreinreden, sie sind alt genug Die müssen wissen, was sie machen Die Route steht noch nicht fest, darüber wollen sie spontan entscheiden Doch wovon werden sie eigentlich leben? Immerhin ist er 43, sie 38 Jahre alt Das Leben auf Achse ist wesentlich günstiger als stationär in Deutschland zu bleiben Aber natürlich kostet auch das Geld Wir hatten zu Beginn gute Ersparnisse, die natürlich nicht so lang gereicht haben Wir arbeiten unter Anderem online Wir machen Vorträge über unsere Reisen, von denen wir leben Verena arbeitet an einem Buch Es geht um die erste Reise, die wir gemacht haben, wo wir von Deutschland nach Südafrika gefahren sind und dann noch weitere vier Jahre im südlichen Afrika und Ostafrika, das war dann schon Lebensstil, den wir gelebt haben Da geht’s um die Erfahrungen, die wir gemacht haben Große Pläne: Vorträge halten und dann ein Buch! Ja, Marokko Wir sind ja immer so spontan Wir planen ja nicht, wir entscheiden spontan, wo wir hinfahren Gucken bei anderen Reisenden, die in die andere Richtung fahren, holen uns da die Tipps Wir lesen jetzt gar nicht immer so viel Reiseführer vorher, entscheiden das immer spontan Tschüss! Mach es gut, Opa – Ebenfalls, ja. Tschüss! Bis dann! – Ja Wir sehen euch wieder, wenn wir zurück sind Das hoffen wir, dass alles gut geht Früher haben sie ganz normale Berufe gehabt, er als Veranstaltungstechniker, sie arbeitete in der Kommunikations- abteilung einer großen Firma, sagt sie Doch heute würden sie ihren Hanomag nicht mehr gegen ein anderes Zuhause eintauschen (Lockere Musik, lautes Klappern) In ökologischer Hinsicht erfüllt der 60 Jahre alte Hanomag nicht alle Wünsche Aber solide ist er: 4,5 Tonnen, 70 PS, vier Gänge mit Untersetzung und Allrad (Lockere Musik) Bis die beiden Afrikafahrer vom Allgäu nach Spanien kommen, werden sie einige Zeit unterwegs sein Der Hanomag schafft 60, 70 Kilometer in der Stunde Doch das nehmen die Globetrotter gern in Kauf So können wir unser Zuhause mitnehmen und trotzdem die Welt kennenlernen Wir haben unser eigenes Bett, wir müssen nicht in fremden Betten schlafen Und wir sind nicht nur zwei, drei, vier Wochen unterwegs, sondern für uns ist das ein Lebensstil Wenn wir unterwegs sind, immer gleich viele Monate bis Jahre am Reisen Wir werden sie in Spanien wiedersehen Dann wollen sie uns mehr von ihren Erfahrungen erzählen, von Vorträgen und von dem geplanten Buch (Vogelruf) Auch Nima Ashoff und Steve Meßmer sind seit Jahren in ganz Europa unterwegs Sie nennen sich “digitale Nomaden”, leben und arbeiten in ihrem Selbstbau-Wohnmobil Nach einem halben Jahr in Spanien wollen sie jetzt in Griechenland überwintern Ganz schön was los hier, wirkt ein bisschen industriemäßig, ja Gut, wir haben ein Auto, fahren wir halt woanders hin Hier, südlich vom Kanal von Korinth haben sie schon einmal die Wintermonate verbracht (Hundegebell) Da ist gut, oder? – Ja, passt Perfekt! Auch digitale Nomaden brauchen analoge Einkaufslisten Okay, wir brauchen Mehl, Vollkornmehl Weißt du, was Roggenmehl auf Griechisch heißt? Das wäre Wir kaufen irgendwas, was wie Vollkornmehl aussieht Wahrscheinlich ist “Roggen” ein griechisches Wort. – Klar Roggos. Können wir ein paar Grundnahrungsmittel durchgehen? Kuchen! Genau Grundnahrungsmittel Heiland! Ja, okay. Also dann, Nudeln, Reis, Reis brauchen wir noch, haben wir nicht mehr so viel Haben wir noch Margarine? Wie war das, als sie die Wohnung auflösten und ganz ins Wohnmobil zogen? Das war aufregend

Also, wir waren es ja gewohnt, dass wir Urlaub in einem normalen Auto machen Von daher war es schon ein Riesenaufstieg, plötzlich ein Wohnmobil zu haben mit Stehhöhe und so viel Platz Aber es war aufregend zu wissen, das ist jetzt kein Urlaub mehr, wir wissen nicht, wie es uns gefallen wird, wie lange wir unterwegs sein werden Wir haben jetzt nicht dieses Engegefühl unbedingt, draußen spielt sich das viel mehr ab als drinnen Platz zum Pennen und gut ist Und warum jetzt Griechenland? Hier ist alles ursprünglicher Man muss viel mehr improvisieren, selber Lösungen finden Die Menschen sind extrem gastfreundlich und hilfsbereit Das hab ich in der Form bisher in keinem anderen Land erlebt Ja, total herzlich Es gibt auch Schattenseiten Aber diese Kontraste machen das Land unglaublich spannend Die Landschaft ist auch schön Trotzdem sehen die beiden ihr Leben nicht als Dauerurlaub an Ich hab die letzten drei Jahre als Texterin gearbeitet Ich schreibe Texte für Online-Magazine Im Campingbereich oder auch für Haustiere, weil Hunde eine meiner Leidenschaften sind Und ich arbeite als Coach über das Internet Ich coache Frauen, die sich beruflich verändern möchten Das lässt sich alles ortsunabhängig über das Internet machen Ich brauch nur Internet, das war’s Die 44-jährige Nima war früher Erzieherin, Steve ist 39 und Informatiker (Südländische Musik) Guck mal die Minigurken Heute genießen sie es, keine festen Arbeitszeiten mehr zu haben, sondern zusammen einkaufen zu gehen, wann sie wollen Ja, voll geil, oder? Richtig lecker zum entsaften Gesunde Ernährung und viel Bewegung sind auch ein Thema für sie (Südländische Musik) Zwei griechische Straßenhunde hat Nima schon auf der ersten Griechenlandreise aufgenommen Die Tiere liegen ihr am Herzen Nicht ohne Folgen Viele griechische Straßenhunde haben Räude. Ich hab mich mal angesteckt Als wir einem schwerkranken Straßenhund geholfen haben (Bellen) Den musste ich einsammeln und ihn zum Tierarzt bringen Es ließ sich nicht vermeiden, dass ich ihn anfasse Dann hab ich mich angesteckt, kann passieren Ist aber nicht schlimm, dagegen gibt’s Sachen Man schmiert sich ein und dann geht es wieder weg Ist halt nur ein bisschen lästig (Heitere Musik) (Lautlos) Dass die beiden Globetrotter neugierig angesprochen werden, kommt öfter vor Zwei Österreicherinnen möchten das urige Fahrzeug der beiden gern mal von innen sehen Der ist genau so alt wie ich – Oh! Jetzt frag ich nicht, wie alt du bist Baujahr ’80, 38 Die Stufe für die Mädels Und wer bist du? – Das ist die Nelly Hunde vertragen alles. Sie fressen alles und sie vertragen alles Danke! – Rein mit euch Und frische Petersilie, perfekt! Ja, seit einer Woche frisch Ah, da hinten schlafts ihr Hier hinten kann man pennen Dann Kleiderschrank Nima, Kleiderschrank meins Hier haben wir noch ein Bad, kannst mal reinspacken Ah, super! Also, Bad – Perfekt! Nur so ein kleines – Toilette Toilette, Waschbecken Trenntoilette, also keine Chemie – Ah, okay Dann oben die ganzen Gewürze, ja – Ja Du sitzt da und kommst überall mit der Hand ran Das ist super (Schreckenslaut) Mach langsam, mach langsam! Alles gut (Südländische Musik) Heute müssen sie zur Nacht noch einen Schlafplatz suchen Wenn der Platz gut passt, werden sie da länger bleiben und arbeiten Man ist ja nicht im Urlaub hier, sagen sie uns Bei Hilde und Herbert, den Wohnmobilneulingen, geht die Suche weiter Das ist auch ein längerer Komm, gehen wir mal rein Roadcar – Sieht doch gar nicht schlecht aus

Oh, da ist viel … viel Stauraum Das ist jetzt ein bisschen anderes ausgerichtet Und ein Riesenbett, das ist natürlich gut Aber dann – Die haben da eine Handdusche Boah! – Wenn du duschst, wird das ganze Klo auch nass Weißt, was ich sage, das ist nicht das meine, das ist ein Manko Die haben bei der Dusche gespart, weil die so ein riesiges, breites Bett haben Das ist eigentlich für drei Leute Gut, also rein in den nächsten Mhm Na, das ist Leder Dir gefällt’s doch bestimmt. – Ja Ich schau mir jetzt mal die Dusche an, weil das ist für mich das Nächste, was wichtig ist Ja. Genau so eine Trennung stell ich mir vor: Waschbecken, Toilette, Dusche Aber du hast Einzelbetten, geht nicht Keine Einzelbetten Für mich war die Dusche jetzt einfach wichtig Es gibt welche mit Doppelbett und Dusche Einzelbetten mag ich nicht (Lautlos) Gibt’s denn wirklich keins, das passt? Ein Verkäufer meint: aber sicher! Ohohoh, exklusiv! Aber (Sie summt.) Schau dir du das einmal an – Moment! Schau du mal Ich würde gern die Höhe messen Sie dürfen sich aber auch gerne aufs Bett setzen Ich brauch über meinem Kopf, äh, über der Matratze, mindestens einen Meter Luft Jetzt wollen wir mal sehen – Ja, bitte Da brauch ich meine Brille, sonst kann ich das nicht so gut erkennen Also, das sind 90, zu wenig – Oh! (Jemand hustet.) Schwierig, schwierig Das hatten sich die beiden einfacher vorgestellt Das werden wir noch genau überschlafen Müssen wir machen, wir machen noch … – Und überdenken Ich weiß jetzt, was ich mag, das weiß ich Und von dem geh ich auch nicht weg Vielleicht, dass wir es schaffen, wir zwei Das schaffen wir schon, ne? (beide:) Ja (Belebte Akkordeonmusik) Die Wohnmobilfreunde, die sich hier in Oberschwaben treffen, haben viele Touren durch ferne Länder hinter sich Vor allem Reiseleiter Siggi Wagner: er hat die ganze Welt bereist Und er weiß, bei der älteren Kundschaft muss es nicht mehr das große Abenteuer sein, die will viel lieber noch einmal die eigene Heimat sehen Ich mach mit euch eine Besprechung über den heutigen Fahrtag, was alles passiert heute, ja? Das machen wir beim Mittagessen dann Also, jetzt gehen wir mal zum Auto? – Jetzt kurz zu mir vor Da kriegt ihr noch Unterlagen Dann geht’s weiter Wenn Reiseleiter Siggi die Roadbooks verteilt hat, geht es los Aus Prinzip fährt jeder für sich bis zum nächsten Treffpunkt, nie wird Karawane gefahren Siggi weiß: Hintereinanderfahren behindert alle nur, und andere Verkehrsteilnehmer sowieso (Heitere Akkordeonmusik) Wie eine solche Tour reibungslos klappt, hat Siggi schon vor Jahrzehnten ausgetüftelt Der 76-Jährige ist der Entwickler der “geführten Tour” Da gab’s noch keine Handys, wie wir sie heute haben Es gab noch keine Navis Wir sind damals nach Karte gefahren Das war dann der tolle Service, Das wurde auch geschätzt von den Leuten Weil in so ein Land wie Marokko äh, da traut sich ja keiner alleine Nun sind wir hier allerdings nicht in Marokko, sondern im schönen Oberschwaben Was erwarten die Wohnmobiltouristen von ihm denn hier? Die erwarten natürlich eine Organisation und viel Erlebniswert, das ist das eine Nicht auf der Straße, weil man fährt ja bloß 20 Kilometer Und all die Punkte, die wir im Roadbook drinnen haben, das sind die Highlights Und die müssen natürlich reibungslos über die Bühne gehen (Heitere Volksmusik) Ingrid und Klaus aus Denkendorf machen die geführte Tour mit Siggi durch ihre schwäbische Heimat ganz bewusst Also, wir kennen schon vieles hier Aber jetzt so eine Tour wo man alles gezeigt kriegt noch mal, ist doch schön Mit über 70 lieben beide die Bequemlichkeit Ich bin zufrieden mit ihrer Fahrweise Das Schöne am Wohnmobil ist halt, man sitzt höher, man sieht mehr Ich fahr gern Auto und mir macht es auch nichts aus,

so ein großes Auto zu fahren Wenn sie krank ist, fahr ich Und einparken darf ich auch Schon 20 Kilometer weiter hat Siggi für seine Gruppe die erste Überraschung ins Roadbook geschrieben: Wer weiß das schon? Hier im kleinen Steinhausen steht die größte Dorfkirche Deutschlands Vor 250 Jahren ließ ein Abt das für ein Dorf unangemessen prächtige Gotteshaus errichten und bekam ein Problem mit seinen Kirchenoberen Statt genehmigter 9.000 Gulden stiegen die Kosten ins Unermessliche Es hat ihn am Ende an die 50.000 Gulden gekostet, weit überzogen, aber jetzt steht hier so ein Prachtstück in Steinhausen Insider wie Siggi kennen die Geschichte Die Kirche steht noch heute Der verschwenderische Abt wurde strafversetzt Die geführte Tour mit Siggi, genau das Richtige, wenn man schon über 80 ist wie Wolfgang und Erika Ja, für uns ältere Menschen auf jeden Fall Die junge Internetgeneration kann das vielleicht alles selber finden, was an historischem, an kulturellem in unserem schönen Deutschland zu sehen ist Die finden das auch mit der modernen Technik, aber ich wüsste die gar nicht Ich würde an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeifahren, Vielleicht nur von Campingplatz zu Campingplatz und dann trotzdem nichts sehen Deswegen ist so eine geführte Wohnmobiltour für uns das Beste Siggi kennt seine Kundschaft und weiß, was ankommt Das ist für mich ein Heimspiel natürlich, eine besondere Tour, weil die Tour natürlich gespickt ist mit Highlights (Er räuspert sich.) die nur der Einheimische kennt, die kann ich entsprechend vermitteln (Kirchenglocken, Stimmengewirr) Nächste Station ist die alte Reichsstadt Biberach Das Reiseleiterehepaar kommt selbst von hier, deshalb ist bei der Stadtführung neben Siggi auch seine Frau Petra Wagner heute dabei Wohnmobilreisen hält gerade im Alter fit und gesund, findet sie Ja, das glaub ich Weil dadurch, dass sie mobil sind, müssen sie ja aktiv bleiben, was das Körperliche und auch das Geistige angeht Durch solche Reisen bleibt der Geist sehr rege, man muss kommunizieren Man lernt neue Leute und neue Dinge kennen Und man muss, wie bei einer Stadtbesichtigung, versuchen, diese Strecken zu gehen, wendig bleiben Ich denke, dass die Wohnmobilisten der fittere Teil der Menschen mit gleichem Alter sind Schon zur Römerzeit war die Gegend besiedelt Es gibt ein einheitliches Stadtbild und die Stadtführerin schwärmt vom Heimatgefühl Wenn irgendwo Biberacher zusammen sind und sich so richtig wohlfühlen, dann singen sie miteinander ein Lied und das können sie alle, auch wenn sie Schwaben sind, das Schützenfestlied kennen sie alle und das fängt an (mehrere singen:) Rund um mich her ist alles Freude Ein echtes Heimspiel für Siggi und seine Frau Petra Das ist deutlich zu sehen Der Biberacher hat ein besonderes Heimatgefühl: das der Oberschwaben Da staunen sogar die Schwaben in der Gruppe Dann geht es weiter für die Wohnmobilfreunde, doch heute auf Schusters Rappen (Stimmengewirr) (Belebte südländische Musik) Die Krise in Griechenland ist unübersehbar Viele Strände sind vermüllt Doch Nima und Steve haben einen Platz gefunden, an dem es sich gut aushalten lässt Danke Gefrühstückt wird draußen, wenn das Wetter mitspielt Man muss aber aufpassen Du solltest einen Blick auf unser Essen werfen, weil da kommen mögliche Abnehmer – Klar, tipptopp! Die sind aber hübsch Brauchen wir noch einen? Ach so Die Straßenhunde tun Nima immer leid, aber mehr als drei können auch im größten Wohnmobil nicht mit Da bleibt sie realistisch, auch was die Situation in Griechenland angeht (Bellen) Ein Mitesser Klar gibt’s viele Stellen, die richtig vermüllt sind, es kann auch manchmal nachdenklich machen, gescheiterte Bauprojekte zu sehen oder gescheiterte Existenzen zu erleben Was den Müll anbelangt, da räumen wir sogar oft um uns rum auf Wenn wir an einem Strand sind und da viel rumliegt, dann nehmen wir einen Müllsack, räumen auf, dann ist es ein wenig schöner danach

(Entferntes Bellen) Der Alltag auf Achse ist schon anders als zu Hause in Deutschland Frühstücken gemütlich zusammen Dann entspannt ins Arbeiten reinrutschen Dann tunneln für ein paar Stunden Dann noch was erledigen, das ist dann ein Tag gewesen, an dem wir wirklich effektiv gearbeitet haben Das ist ja auch der Lebensentwurf, den wir haben wollten, dass wir uns wirklich den Tag frei einteilen können, möglichst selbstbestimmt sind, nicht mehr dieses Vordiktierte: Ich muss um acht am Rechner sitzen Das muss ich nur dann, wenn ich mir mit jemanden einen Termin vereinbare Aber diese Flexibilität, dass ich das selber bestimmen kann, war mir extrem wichtig Dann zu sagen: “Ich brauch eine Pause, jetzt ist das Wetter echt schön, ich möchte heute klettern gehen.” Das war das Ziel Viel Geld brauchen die beiden nicht Wenn ich alles, was den Bus betrifft, zusammenrechne, sind’s 400 Euro, da sind Steuer, Versicherung, Verschleiß mit drin 400 Euro Bus Ungefähr 500 Euro für uns beide zusammen an Lebensmitteln und Toilettenpapier und dieser ganze Krempel halt Circa 50 Euro für die Hunde 180 Euro ungefähr Krankenversicherung Da haben wir eine Langzeitauslandsversicherung Ähm, das sind, glaub ich, schon die gröbsten Posten, der Rest, also circa 25 Euro Internet und Telefon Also, es kommt noch mal Kleinzeug dazu Ungefähr sind’s im Schnitt 1200 Euro, die wir zusammen brauchen Und wir sparen wirklich nicht an Lebensmitteln, das ist uns wichtig Und wie stellen sich die beiden die Zukunft vor? So idyllisch es aussieht – kann das Leben auf Achse so ewig weitergehen? Im Bus leben ist wie in einer Wohnung leben Da fragt auch nicht jeder: Wie lange hast du vor, in deiner Wohnung zu sein? Solange es cool ist, macht man das Heute ist Arbeitstag angesagt Steve entwickelt als Informatiker Kassensysteme für Kletterparks Nima schreibt an ihrem eigenen Blog und für verschiedene Online-Magazine Da sind ihre Erfahrungen als Globetrotter gefragt Auch über das Reisen mit Hunden Steve, wir haben drei Striche, vier Striche Ausschlag Und trotzdem tut das Internet nicht – Wo hast du Ausschlag? Ich hab keinen Ausschlag. Hast du die Antenne nicht rausgemacht? Nee – Ich muss doch arbeiten! Schneller! – Mann, hey! Dann tu ich sie halt noch raus Hoppala Das Internet muss funktionieren, lebenswichtig für digitale Nomaden Ah ja Das reicht für heute, so ist gut Alles, was Nima textet, fußt auf eigenen Erfahrungen Mal geht es um die Hunde, mal berichtet sie über die Kosten des Nomadenlebens im Bus Und auch Steve macht sein Hobby zu barer Münze, denn Klettern tut er um sein Leben gern Deshalb weiß er, was in einem Kletterpark gebucht werden kann Ausrüstung, Dauerkarten und so weiter Noch in dem Jahr will er das Kassen- programm zur Marktreife entwickeln (Belebte südländische Musik, Glöckchenklingeln) So schön Natur und Landschaft auch sind, auch digitale Nomaden kennen Arbeitsdisziplin und: den Feierabend! (Belebte südländische Musik) Also, dann die Guck, dann gehen wir da Hier, den großen hoch, dann straight links halten and to the top – Okay (Belebte südländische Musik) Also, ich mach den Sollen wir den machen? Wenn du lieber die links machen willst, dann mach die da links Ich glaub, die da links ist nicht einfacher Zumindest geht die grad hoch Auch Nima klettert manchmal, aber nicht jeder Aufstieg ist ihr geheuer Da ist der erfahrenere Steve schon eher in seinem Element (Belebte südländische Musik) Ahhh, das gibt wieder frisches Blut rein

Jetzt im Winter im Freien Duschen, das gehört zu den Highlights des Nomadenlebens Und die drei Hunde haben auch keine großen Einwände auf der Tour (Entspannte Musik) Als Ziel fürs Überwintern haben sich die beiden für das Klettererstädtchen Leonidio entschieden (Sie spricht unverständlich.) Noch etwas südlicher auf den Peloponnes, da sind sie im letzten Jahr auch schon monatelang gewesen Ich finde halt, das tolle an unserem Lebensstil ist die örtliche Unabhängigkeit Wenn ich jetzt zum Beispiel überleg: Was hab ich die letzten drei Jahre gemacht? Dann fallen mir unheimlich viele Sachen ein Obwohl wir oft lange stehen oder lange Zeit an einem Ort verweilen, aber in Summe, wenn ich ein Jahr zurückdenke, oder zwei, drei Jahre zurückdenke, fällt mir einfach unheimlich viel ein, unheimlich viele nette, schöne Sachen Sei es Natur oder Leute Es ist einfach viel passiert Wenn ich drei Jahre in einer Firma arbeite, was ich auch schon mehrmals gemacht habe, dann scheint mir das einfach weniger zu sein Ich hab das Gefühl, ich erleb jetzt mehr, mein Leben ist intensiver, ist mehr geworden mit der Zeit, die ich hab (Volkstümliche Musik) Bei Reiseleiter Siggi in Oberschwaben geht es mehr um Behaglichkeit und Komfort Dass seine Gruppe mit teilweise über 80 Jahren nicht online surft, weiß Siggi als Erfinder der geführten Tour Und so gibt es die Einweisung mit der guten alten Landkarte: Ich kann natürlich nur den Weg aufzeichnen, der mir normalerweise geläufig und bekannt ist Der führt über Mengen Die Besprechung mit Reiseleiter Siggi gibt es täglich Nicht alltäglich ist die heutige Überraschung von Erika Da mein Wolfgang so gern Kaisermarsch, Schmarrn mag und ich mich nicht hinstellen will und den nach dem Kochbuch machen will, hab ich das gefunden und versuch das mal. – Ah! “Kaiserschmarrn – Österreichischer Art. In zehn Minuten fertig.” Okay Das geht an und für sich sehr einfach, wenn man das so liest Geht sehr einfach Ich nehme, damit das Ganze lockerer wird, noch mal ein Ei dazu Draußen herrscht schon gespannte Erwartung Wir haben den Kaiserschmarrn fertig Überraschung! Ich hab euch was mitgebracht! Einen Kaiserschmarrn auf die schnelle Art Was habt denn ihr gemacht? – Schaut her Innerhalb von ein paar Minuten haben wir das fertig gehabt Dann sag ich: Bitte noch Gläser Dann gibt’s einen guten Rotwein Einen guten Spanier Siggi weiß immer, für Stimmung zu sorgen und meistens hilft der richtige Wein dabei Hast du ausprobiert, Klaus, was wir gebastelt haben? Jaja. Mhm (Volkstümliche Musik) (Laute Motorengeräusche) Auch die beiden Afrikafahrer kommen ihrem Ziel näher In den Bergen hat der alte Hanomag ordentlich zu kämpfen Mittlerweile sind sie in Spanien angekommen Doch im Januar ist es hier noch recht kalt, so schön die Aussicht auch ist Langsam kommt die Sonne raus (Atmosphärische Gitarrenmusik) Hier lässt es sich aushalten, oder? Sie lieben die Wärme und das Meer Ansonsten lassen sie sich einfach treiben (Atmosphärische Musik)

Und von irgendwelchen Terminen, Zwängen oder gar Arbeitsdruck lassen sie sich anscheinend überhaupt nicht beeinflussen Fahren wir heute noch weiter oder bleiben wir ein bisschen hier? Es ist ein bisschen kalt – Ja. Pech gehabt Die ganze letzte Woche war – Am Samstag wird’s wieder schön Dann wollen wir nicht hier bleiben, sondern fahren Dann gucken wir einfach mal, ob wir einen schönen Platz irgendwie finden Ich denke auf jeden Fall die Landstraße Ein paar schöne Buchten wird’s ja noch geben Spontan wird entschieden: Heute bleiben sie erst mal hier Afrika läuft ja nicht weg, die Arbeit am Buch auch nicht Da müssen wir ein bisschen Wochen später können die Wohnmobilneulinge Hilde und Herbert noch immer keine Kaufentscheidung treffen Also wird heute ein Fahrzeug gemietet Morgen soll es auf die erste Reise gehen Die Einweisung ist kurz und bündig, auch wir können kaum folgen Es gibt viel zu merken Stromeinspeisung für Campingplatz Das Kabel ist auch dabei? – Ist alles hinten Die Heckgarage zeig ich Ihnen gleich Entsorgung in dem Bereich Das ist eine sogenannte Zwei-Flaschen-Gasanlage Das heißt, wir haben hier einen Regler in der Mitte Die große Nase ist ausschlaggebend Gut, Toilette, zum Entleeren den grünen Hebel nach oben ziehen Kassette rausziehen, zack Hier aufschrauben, hinten draufdrücken zum Entleeren Entleeren tut man immer in die Campinganlage, gell? Campinganlage oder Raststationen haben es teilweise Ah ja – Also, hier ziehen Ja – Den Hebel nach oben Genau Jetzt hab ich schon die volle Funktion ausgefahren Damit kann man spazieren gehen, kannst auch einkaufen gehen Reisekoffer Ja – Das wird unser Eigentlich hätte ich jetzt alles fotografieren müssen, jede Bewegung Strom, Abwasser, Markisen, Gasanschluss, Toilette alle Klarheiten beseitigt Ich muss das mitschreiben, das Ganze Das ist das Abwasserrohr Das kann man von innen regeln? – Ja Schauen wir rein – Reinspaziert Dann ein ganz wichtiger Knopf zum Wasserablassen Damit das Womo nicht zu schwer wird So, das ist der Öffner für den Abwassertank Für den Grauwassertank, den wir ganz am Anfang hatten Aha – Hier runterdrücken, zack Dann macht er hinten quasi diesen Abwassertank auf Wenn man nachts was sucht und aus Versehen drückt, dann verliert man unterwegs – Dann läuft das Wasser raus Nein, aber das ist sicher, deswegen ist hier ein kleiner Hebel, dass das nicht passieren kann Wo muss ich – Runter, runterschieben und gleichzeitig nach unten drücken Genau Also Geduld ist nicht Hildes Stärke Ist Wahnsinn! Ich bin fertig! Wie ist das Gefühl jetzt? – Das Gefühl? Ich finde, wir müssen heute Nacht noch arbeiten an dem Ganzen Automaten hier und an dem Wagen Es ist unheimlich viel zu merken Sind wir soweit, oder? Sind wir soweit? Herbert, bist du endlich soweit? Was hast denn jetzt noch gefunden? Mir ist kalt – Das ist Nebelschlussleuchte Ähm, Spiegeleinstellungen, links und rechts Das ist hier (Sie stöhnt.) Er reagiert nicht Mich friert’s! Herbert, was machen wir jetzt da? Da bewegt sich nichts Nein! Warte! Wo hast du das gemacht? – Da, wo die Pfeile sind Hab ich auch schon versucht – Du hast in der Mitte gedrückt Jetzt geht’s Ein bissel was kann ich auch Pass auf, da kommt jetzt einer (Belebte Musik) Bist du angeschnallt? – Ja Kümmer dich nicht, was ich mache Sondern schau du lieber nach vorn, da links Links und rechts hast deine Autos Jetzt muss er irgendwann was sagen – Ja, eben Warum sagt er denn jetzt nichts? – Das weiß ich nicht Auf alle Fälle geht’s rechts raus Ich weiß nicht, warum er nicht spricht Es geht rechts raus – Aber er muss was sagen Hast den Ton ausgestellt? Dann fahren wir links ab – Lass du deine Hände da am Steuer Und fuchtel nicht herum

Na ja, das ist genau wie mit einem kleineren Auto, nur etwas größer Das war jetzt wieder gut Ganz wichtig ist, wie wir morgen fahren Um sieben, gell? Ganz wichtig – Und Schneebericht Ja, das ist ganz wichtig – Ich Entschuldigung, Herbert, jetzt rede ich Aber erst einmal die ganzen Sachen ins Wohnmobil verstauen (Belebte Musik) Hm So! Wo war noch mal der Knopf für das Abwasser? Drinnen in der Wohnung hat Hilde schon alles eingepackt, was ins Wohnmobil soll (Vogelzwitschern) Hoffentlich geht alles rein (Belebte Musik) Die können wir schon da hin tun Da können wir die Fahrradhelme auch hinpacken Und morgen in der Frühe soll es dann losgehen Weiß ich jetzt nicht Wir fahren bei Bozen vorbei Dann müssen wir hier, die weiße, siehst du die? – Ja Die fahren wir hier lang – Das ist aber schmal Da auf der Karte – Ach so Und dann kommen wir direkt zum Lago d’Idro Wir werden die beiden zehn Tage auf ihrer Testfahrt zu den oberitalienischen Seen begleiten Zusammenklappen und los geht’s (Glocken läuten) Der Berg ruft Nicht nur in den Alpen, auch auf den Peloponnes Hier im Bergsteigerörtchen Leonidio wollen Nima und Steve überwintern Doch als erstes steuern sie eine Werkstatt an Die Beifahrertür muss repariert werden Zum Glück kennen sie die richtigen Kfz-Schrauber dafür noch vom letzten Jahr: solche, die auch Oldtimer reparieren können (Steve spricht englisch.) Steve erklärt, wie es passierte Der Sturm hat die Tür umgeschlagen und das Scharnier zerstört You know, it was (Er spricht englisch.) Steve hat selbst versucht, sich zu behelfen Doch jetzt geht der Schließ- mechanismus überhaupt nicht mehr Two days ago, when we closed it it did like this And now it doesn’t go back, you know? It’s just like Man muss improvisieren können in Griechenland Und die Werkstatt entpuppt sich als bestens ausgestattetes Ersatz- teillager für alle Fahrzeugtypen Der Bus ist zwar schon ziemlich eins geworden mit Fauna und Flora, doch das Türscharnier müsste immer noch funktionieren, vermutet der Werkstattchef (Er ruft etwas auf Griechisch.) Steve, it’s okay! Das wird sicher passen, meinen die versierten Spezialisten Und Steve kann sich das auch gut vorstellen Let me see We must move this (Hundegebell) You see? It’s the same (Leise klirrende Geräusche) Kann ruhig etwas dauern mit der Reparatur, die beiden digitalen Nomaden bleiben jetzt ja ein gutes halbes Jahr hier, erzählen sie den Schraubern (Er spricht englisch.) (Belebte südländische Musik) (Unterhaltung auf Englisch) Wenn es im Norden Griechenlands wieder wärmer wird, wollen sie den Peloponnes verlassen Und sich ein Plätzchen im Epirus suchen, dem wilden Gebirge an der Grenze zu Albanien Wir werden sie dort wiedersehen (Belebte südländische Musik) SWR 2020