Die urbane Evolution – wie sich Füchse in der Stadt Haustieren anpassen | Tier-Doku | SRF Einstein

Wo ist er? Er ist dort hinten verschwunden – Ja Wir sind auf der Suche nach dem Stadtfuchs, um zu zeigen, wie schnell Wildtiere zu Städtern werden Herzlich willkommen zu “Einstein” Der Teppich der Zivilisation breitet sich immer weiter aus, doch Wildtiere passen sich der Stadt im Schnellzugtempo an Die Evolution im städtischen Bereich hat in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit gewonnen Warum fressen Fische in der Stadt Tauben? Flattern Stadtmotten weniger oft ins tödliche Licht? Und wird der Zürcher Fuchs bald zum Haustier? Es existiert eine gewisse Zahmheit gegenüber dem Menschen “Einstein” über die erstaunliche Anpassung von Tieren und Pflanzen an unsere Städte Heute bin ich mitten in der Stadt dem Fuchs auf der Spur Er ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie schnell die Evolution aus Wildtieren Stadttiere macht Die Forschung zu Pflanzen und Tieren, die sich schnell evolutionär ans Stadtleben anpassen, ist ein ganz neues Gebiet, das wir uns heute genauer anschauen In diesem Stadtgarten ist der Fuchs immer wieder Gast Der Garten gehört Cornelia Hürzeler Wildtierbiologin Anouk Taucher schaut regelmässig bei Cornelia Hürzeler vorbei Sie hat Wildtierkameras aufgestellt, die nicht für die Katz sind Sie sollen die Füchse filmen Wie oft sieht man sie? Der Fuchs ist momentan etwas seltener als früher Ausgerechnet, wenn wir kommen – Ja, so ist es Vor drei Jahren kam er fast jede Nacht, jetzt kommt er etwa einmal pro Woche Sehen Sie ihn manchmal auch tagsüber? – Sehr selten Junge Füchse kommen manchmal bis auf die Terrasse, weil sie neugierig sind Ältere kommen manchmal im Winter, weil sie weniger Futter finden Gefühlt scheint es, dass Wildtiere immer mehr in die Stadt kommen Ist das so oder täuscht der Eindruck? – Es kommt sehr auf die Art an Man hat z.B in den 80er-Jahren gemerkt, dass Füchse immer mehr in die Stadt kommen Dieses Phänomen kennt man z.B in Grossbritannien schon länger Man weiss nicht wirklich, wieso das zu diesem Zeitpunkt passiert ist Bei den Dachsen haben wir es in den letzten Jahren gesehen Auch sie kommen immer mehr in Siedlungsräume In Städten gibt es also eine erstaunlich grosse Artenvielfalt Gut ein Drittel bis zur Hälfte aller Tiere der Schweiz kann man auch in der Stadt antreffen Wollten wir mal reinschauen, Frau Hürzeler? – Gerne Erst sieht man aber alles andere als Füchse Schauen wir mal, was da ist Katze Katze Man sieht schon: Platzhirsch sind die Katzen Ui, was ist das? * Die Frauen lachen. * Was geben die der zu fressen? Kein Wunder, dass die Füchse nicht mehr kommen Ah, das war ein Marder Was? Ich habe nichts gesehen – Ja, ein Marder Hier sieht man ihn – die Scheinwerfer Ach, da kommt er angehüpft Ah – Oh, da ist einer Der ist schön – Das wollte ich auch sagen Verrückt, er tanzt vor der Kamera rum Den juckt irgendwas – Tatsächlich Er bleibt aber erstaunlich lange – Ja Einmal ausschütteln und weiter geht’s Gibt es denn typische Merkmale, die den Stadtfuchs vom Landfuchs unterscheiden? Stadtfüchse sind weniger scheu als Landfüchse Sonstige Merkmale In der Stadt kommen Füchse z.B. in höherer Dichte vor Es leben also mehr auf engem Raum zusammen Und sie sind extrem anpassungsfähig Sie fressen auch sehr viel Nahrung, die indirekt vom Menschen stammt Gibt es auch genetische Unterschiede?

Ja. Man hat das in Zürich untersucht und konnte verschiedene Populationen feststellen Landfüchse und Stadtfüchse unterscheiden sich In Berlin ist gerade eine neuere Studie erschienen, die das bestätigt hat: Die beiden Arten unterscheiden sich Dann haben die vermutlich nichts mehr miteinander zu tun Stadtfuchs bleibt Stadtfuchs und der Landfuchs genauso. – Ja Rund 1’000 Stadtfüchse leben in Zürich Sie sind nicht nur genetisch eigenständig, sie haben sogar eine andere Schnauze und ein anderes Fell als Landfüchse Aber das sehen wir uns später noch genauer an Ah, da hinten kommt eine Katze – Oje Jetzt ist sie auf der Mauer Er hat sie gesehen Und weg war er – Er hat Angst Jetzt hatten wir aber Glück Das würde ich auch meinen Wir haben fast alles gesehen – v.a. den Fuchs, ausgiebig Wir wollen ihn aber noch live sehen – Das wäre schön Wie gross ist die Chance, dass wir mindestens einen sehen? Die Chance ist schon eher klein, wenn wir gezielt suchen Sagen Sie das nicht – Vielleicht haben wir Glück Wir setzen uns die ganze Nacht ins Gebüsch und warten? – Ja Frau Hürzeler, vielen Dank für diesen Einblick in Ihren wilden Garten Merci – Ich danke auch Jetzt bringt mich Anouk Taucher dorthin, wo die Stadtfüchse wohnen Ob wir einen entdecken? Und vielleicht auch andere Bewohner? Denn der Fuchs ist nur eins von vielen Tieren, die zu Städtern geworden sind Beispiele findet man überall, wenn man genau hinsieht Z.B in der französischen Kleinstadt Albi Im Fluss Tarn haben Angler vor rund 40 Jahren Welse ausgesetzt, und die haben sich überraschend clever an ihre neue, städtische Umgebung angepasst Sehr zum Leidwesen der Stadttauben Biologe Frederic Santoul studiert die Welse Ihre Anpassungsstrategie an die Stadt war für ihn neu Wir arbeiten für unsere Forschung mit Fischern zusammen Die kamen auf uns zu und erzählten uns vom seltsamen Verhalten der Tiere hier in Albi Welse und Tauben – erst die Stadt bringt diese beiden Arten zusammen Die Tauben hatten noch nie mit Raubtieren aus dem Wasser zu tun Sie beobachten den Himmel, um sich vor Raubvögeln zu schützen Die Tauben kommen zum Baden und Trinken ans Ufer Landet eine Taube im offenen Wasser, ist das für sie gefährlich Schwimmende Vögel sind für Welse leichte Beute Die Welse nehmen die Tauben erst wahr, wenn sie ihre Bewegung im Wasser mit ihren Barteln spüren Dann greifen sie an Seit 2010 wissen die Forscher: Hier in Albi sind die Tauben auch am Ufer nicht mehr sicher Die Raubfische zeigen ein bisher unbekanntes Jagdverhalten Sie packen die Tauben sogar an Land Bei manchen Welsen machen Tauben inzwischen bis zu 40 % der Beute aus Die Stadt hat den Startschuss für die sog. urbane Evolution geliefert – die Anpassung ihres Lebens an die Stadt Städte sind der extremste Eingriff des Homo sapiens in die Natur Seit 2017 leben erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land Wie beeinflusst die Stadt die Entwicklung von Tieren und Pflanzen? Die urbane Evolution ist zum bedeu- tenden Forschungsgebiet geworden Die Evolution im städtischen Bereich hat in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit gewonnen, weil man einige spektakuläre Erkenntnisse gewinnen konnte Man konnte es bei Säugetieren und Vögeln, also bei Wirbeltieren beobachten Das sehen die Menschen auch täglich, bzw. in der Nacht Man sieht Füchse in der Stadt und weiss inzwischen, dass sie sich genetisch verändern Man hat auch die Methoden, um das zu untersuchen

Bei meiner Studie damals konnte ich mir die genetische Grundlage noch nicht anschauen Heute ginge das vermutlich Florian Altermatt von der Uni Zürich hat als einer der Ersten erforscht, wie die Evolution aus Landtieren Stadtspezialisten macht Sein Forschungsobjekt war ein winziges Insekt: die Gespinstmotte Wir suchen sie im Irchelpark der Uni Zürich Oh, hier ist eine Sie ist wohl schon geschlüpft Vermutlich ist sie heute Morgen aus der Puppe gekrochen Sie trocknet ihre Flügel und wird heute Nacht in der Dunkelheit fliegen, sich mit einem Partner paaren und dann an einem anderen Pfaffenhut Eier ablegen Ausser sie wird vorher gefressen oder von einer Strassenlampe angelockt, wo sie verendet Die Lichter der Grossstadt: Insekten verwechseln sie vermutlich mit Mond und Sternen, nach denen sie sich auf dem Land orientieren Ein tödlicher Irrtum Man kam auf die Idee, dass das allenfalls auch zu Evolution führt Falterpopulationen im städtischen Bereich müssten sich eigentlich an die Lichtverschmutzung anpassen In einem Seitenprojekt habe ich das vor einigen Jahren mit einem Experiment getestet Altermatt sammelte Raupen der Gespinstmotte sowohl aus ländlichen als auch aus städtischen Gebieten und zog sie im Labor identisch auf, bis sie zur Motte wurden Dann überprüfte er, wie viele jeweils ins Licht flogen Bei diesem Versuch entdeckte er als einer der Ersten urbane Evolution Die schwarzen Balken stellen Falter aus dem ländlichen Raum dar Die weissen Balken stehen für Raupen aus dem städtischen Raum Falter aus dem städtischen Raum werden rund 10-20 % weniger von der Lichtquelle angelockt Ein so grosser Unterschied war überraschend Vor über zehn Jahren konnte Altermatt noch keine gene- tischen Untersuchungen durchführen Doch seine Schlussfolgerung ist klar Wir gehen davon aus, dass dieser Unterschied genetisch ist Es hat also wirklich eine evolutive Veränderung stattgefunden Die Gespinstmotte ist nicht die einzige Motte mit erstaunlicher genetischer Anpassungsfähigkeit an die Stadt Der Niederländer Menno Schilthuizen hat ein Buch über urbane Evolution geschrieben und ist dabei auf die erste dokumentierte Anpassung von Lebewesen an die Stadt gestossen, ohne dass das der Forschung damals bewusst gewesen wäre Und auch bei dieser Geschichte stehen Motten im Fokus Der Birkenspanner ist eine Mottenart, die in zwei Varianten vorkommt: eine mit hellen und eine mit dunklen Flügeln Die mit dunklen Flügeln wurde in England zum ersten Mal während der industriellen Revolution im 19. Jh. gesichtet Diese dunkle Motte trat in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung binnen kurzer Zeit immer häufiger auf Der Qualm der Schlote hatte die Rinde von Birken mit dunklem Russ bedeckt Darauf wurden die weissen Falter leichte Beute für Vögel Die neuen, dunklen Motten waren besser getarnt Die Leute verstanden das nicht Sie dachten, dass die weiblichen Motten vielleicht sahen, dass die Umgebung dunkler wurde, und das auf ihre Nachkommen übertrugen So dachte man damals über Genetik und Vererbung Heute weiss man: Ein einziges Gen steuert den Farbwechsel Kaum wurde die Luft sauberer, waren die Motten wieder häufiger weiss Dabei meinte Darwin doch, Evolution geschehe zu langsam, um sie zu beobachten Darwin wäre erstaunt über die Geschwindigkeit, mit der diese Veränderungen ablaufen Aber in den Städten von heute laufen diese Veränderungen vor unseren Augen ab, direkt um uns herum Ich denke, Darwin wäre davon begeistert Die einen Motten überleben dank Farbwechsel andere, weil sie weniger oft in Lichtfallen schwirren Beide sind beeindruckende Beispiele für die rasend schnelle urbane Evolution So eine Lampe ist auch eine typische Insektenfalle. – Genau Von den Insekten zurück zu den Füchsen Ich bin mit Wildtierbiologin Anouk Taucher auf dem Weg zum Zuhause des Stadtfuchses, dem Zürcher Friedhof Sihlfeld Das Licht ist noch nicht bereit, schon herrscht erste Aufregung

Der Produzent hat einen Fuchs gesehen Wo ist er? Nichts, was? – Nein Ich glaube, er hat sich irgendwo versteckt Ja. Der Fuchs war einfach schneller als wir Dann schauen wir halt nach, wo der Fuchs seine Stadtwohnung hat Passen Sie auf Ihren Kopf auf Das ist der Haupteingang Aha – Der Bau ist schon jahrzehntealt Es gibt hier überall in der Umgebung verschiedene Nebeneingänge Das ist wahrscheinlich einer der Seiteneingänge des Baus Ein Fuchsbaueingang ist bei Landfüchsen wahrscheinlich ähnlich, aber wohnen sie grundsätzlich genau gleich wie diejenigen in der Stadt? Nicht ganz. Der Bau ist wahrscheinlich relativ ähnlich Aber in der Stadt graben sie öfter mal unter einem Gartenhäuschen oder einer losen Bodenplatte Aber Füchse wohnen nicht das ganze Jahr über im Bau, sondern nur während der Kinderzeit Ansonsten legen sie sich irgendwo hin, wo sie geschützt sind und trocken bleiben In der Stadt sind das oft Orte in der Höhe – vielleicht auf einem Gerüst – oder im Friedhof unter einem Busch – Mhm Wieso sind die Füchse überhaupt in die Stadt gekommen? Auf dem Land ist es doch viel ruhiger Die Stadt ist für Füchse ein Schlaraffenland Hier gibt’s sehr viel Nahrung Wenn sie mit Störungen umgehen können, geht es Füchsen in der Stadt eigentlich sehr gut Hier werden sie auch nicht gejagt Von daher haben sie hier eigentlich ein schönes Leben Profitieren auch wir Menschen in irgendeiner Form davon, dass Füchse in der Stadt leben? Zum einen kann man sich sicher freuen, wenn man einen Fuchs sieht Das ist immer ein besonderes Naturerlebnis Füchse fressen Mäuse und erwischen ab und zu auch Ratten Und sie räumen für uns auch die Stadt auf Wenn man mal ein Sandwich liegen lässt, ist es am nächsten Tag vermutlich weg Und mitten im Gespräch: (Mann) Fuchs, Fuchs! – Ein Fuchs? Hier ist er … gewesen * Spannende, drängende Musik * Er ist da hinten Ist er da unten? Nein Sehen Sie etwas? – Nein Die Wildtierkamera am Eingang des Fuchsbaus hat mehr als nur das Hinterteil aufgenommen Man kann fast von einem Fuchs-Selfie sprechen Oh, da sind gleich drei auf dem Bild Ja. Die beiden haben gespielt, dann ist hinten einer davongerannt D.h., es leben mehrere im Bau Ich nehme an, es ist eine Familienbande, also Elterntiere mit den Jungen dieses Jahres Vielleicht noch Jungtiere des letzten Jahres, die helfen Bei Untersuchungen stellte man fest, dass Stadtfüchse Punkte im Fell haben, wie sie eigentlich nur bei Haustieren vorkommen Woran liegt das? Bei den Vorderpfoten sind einzelne Stellen, an denen das Fell einfach keine Farbe hat. – Ja Diese weissen Flecken sieht man z.B. auch hier auf den Ohren Das gehört vermutlich zu einem Gen, das für die Zahmheit der Füchse in der Stadt selektioniert Das ist praktisch ein Nebenprodukt, das mitkommt Doch nicht nur die Felle, auch die Schädel der Stadtfüchse haben bereits Ähnlichkeiten mit Haustieren An der Uni Zürich erforscht Madeleine Geiger den Einfluss der Stadt auf Wildtiere Soeben hat sie spannende Daten zu Stadtfüchsen in London erhalten In der Londoner Studie wurde die Schädelform städtischer und ländlicher Füchse verglichen Man sah, dass die Schnauze des städtischen Fuchses kürzer ist als die des ländlichen Auch die kurze Schnauze ist ein typisches Domestikationsmerkmal, ein Merkmal von Haustieren Der wilde Fuchs hingegen braucht eine lange Schnauze,

mit der er auf der Jagd nach Mäusen enorm schnell zubeissen kann Die kurze Schnauze des Stadtfuchses hat andere Vorteile Eine kürzere Schnauze bedeutet mehr Beisskraft Weil städtische Füchse weniger jagen und eher mal eine Verpackung aufreissen müssen, kommt ihnen die grössere Beisskraft vielleicht zugute Kurze Schnauze beim Stadtfuchs, ähnlich wie beim Hund Das ist aber noch nicht alles Auch das Gehirn der Stadtfüchse dürfte gemäss ersten Vermessungen kleiner sein Eine mögliche Erklärung: Städtische Füchse müssen nicht mehr so viel jagen, also sind die kognitiven Anforderungen der Jagd nicht mehr so sehr gegeben Darum wird das Hirn kleiner Ähnliches sieht man auch bei domestizierten Tieren Wird der Fuchs langsam eben doch zum Haustier? Madeleine Geiger zeigt uns das Resultat eines aufsehenerregenden Langzeitexperiments in Russland Hier züchten Forschende seit 60 Jahren zahme Füchse Es ist ein einzigartiges und sehr spannendes Experiment, das man auch kritisch sehen muss – gerade im Hinblick auf das Wohlergehen dieser Tiere Aber rein vom wissenschaftlichen Standpunkt her ist es sehr spannend und wichtig für unser Verständnis Bei den Füchsen, die im russischen Experiment nach Zahmheit selektioniert wurden, kann die Schnauze kürzer werden als bei den anderen Bei den zahmen russischen Füchsen fehlen auch die Punkte auf dem Fell nicht, wie sie schon bei Zürcher Stadtfüchsen beobachtet wurden Ist also auch der Fuchs in Zürich bald ein zahmes Haustier? Sicher nicht so extrem, wie man es bei diesen domestizierten Füchsen sieht Aber es gibt eine gewisse Zahmheit gegenüber dem Menschen Die Fluchtdistanz ist nicht mehr ganz so gross Die Tiere haben nicht mehr so viel Angst Das sieht man schon Die urbane Evolution macht den Stadtfuchs also wohl kaum so schnell zum Haustier, auch wenn körperliche Merkmale und Verhalten bereits in diese Richtung deuten * Hecheln * Auch mit der Wildtierbiologin auf dem Friedhof Sihlfeld sprach ich über das russische Experiment Füchse zu Haustieren machen – Mhm Was halten Sie davon? Das ist schwer zu sagen Braucht man den Fuchs als Haustier? Man hat ja schon Hund und Katze Ich weiss nicht, ob der Fuchs da noch mehr bringt Mich würde auch interessieren, ob die domestizierten Füchse auch so stinken wie die wilden Wieso das? – Weil wilde Füchse sehr intensiv riechen Die will man nicht zu Hause in der Wohnung haben Okay Füchse als Haustiere? Wieso eigentlich nicht oder eine absolut absurde Idee? Was denkt ihr? Schreibt es in die Kommentare Der Weissklee mitten in Bern stinkt garantiert nicht – im Gegenteil Dieser Klee passt möglicherweise seinen Schutz gegen Fressfeinde den wärmeren Temperaturen in der Stadt an Das hat ihn zum Hauptdarsteller einer weltumspannenden Studie zur urbanen Evolution gemacht Catherine Peichel steuert die Proben aus Bern bei Das ist eine riesige Studie mit Hunderten von Forschern an Orten rund um die Welt, die Daten sammeln Die Frage ist: Was bringt den Klee dazu, sein Abwehrsystem dem städtischen Lebensraum anzupassen? Wenn man das an nur wenigen Orten studieren würde, wäre es schwierig herauszufinden, welche Faktoren die Veränderungen bewirkt haben Kleepflanzen können das für Fressfeinde giftige Zyanid bilden – ein Überlebensvorteil Doch Zyanid macht sie kälteempfindlich In Stadtzentren ist es bis zu 7 °C wärmer als im Umland Kann der Klee das nutzen und öfter Zyanid bilden? An der Universität von Toronto landen die Ergebnisse aus Bern und 166 weiteren Städten Marc Johnson leitet die weltweite Studie In vielerlei Hinsicht sind Städte die grössten ungeplanten Experimente aller Zeiten

Das Problem ist, dass es nur sehr wenige Organismen gibt, bei denen man die Anpassung an die städtische Umwelt weltweit untersuchen kann Weissklee ist eins dieser Lebewesen Soeben sind wieder Proben aus aller Welt eingetroffen Da haben wir also Berlin und Buenos Aires Das Team bereitet den Klee für die Gensequenzierung vor Ein einziges Gen bestimmt, ob der Klee das giftige Zyanid produziert Gut, haben wir die Daten aus Berlin? Eine Stadt um die andere fügt sich ins Gesamtbild ein Jetzt sind wir also bei 33 % der Städte, in denen sich Klee anpasst? (Mann) Wir sind bei 33,2 % Fair enough In einem Drittel der weltweit untersuchten Städte hat sich der Klee bereits die wärmeren Temperaturen zunutze gemacht und bildet öfter Zyanid Die vorläufigen Ergebnisse sind faszinierend Egal, wo auf der Welt wir uns befinden – ob in Europa, Nordamerika, Japan, China, Australien, Neuseeland – dieser bescheidene Weissklee scheint die Fähigkeit zu haben, sich an die Stadt anzupassen Und wie waren die Resultate aus Bern? Ist auch Bern eine Hitzeinsel, auf der Klee häufiger Zyanid gegen Fressfeinde bilden kann? Hier in Bern sieht man keinen grossen Unterschied in der Zyanidproduktion des Klees zwischen Stadt und Land Die Unterschiede sind dort am grössten, wo das Klima heiss ist und es keinen Schnee gibt In Bern könnte der Schnee der Grund sein, weshalb wir keinen Unterschied sehen Es gibt aber noch viel Arbeit In Bern hat sich der Klee also noch nicht an die leicht wärmere Stadt angepasst, doch weltweit zeigt die Studie klar: Weissklee nutzt die urbane Evolution für bessere Überlebenschancen Ums nackte Überleben ging es im Hafen der US-Stadt New Bedford für die Fische Urbane Evolution rettete sie, nachdem PCB und Dioxin das Wasser zur tödlichen Kloake gemacht hatten Die US-Umweltbehörde wollte das Ausmass der Belastung untersuchen und beauftragte Biologin Diane Nacci und ihr Team Eigentlich wollten wir herausfinden, welche Schäden die giftigen Chemikalien hier im Hafen bei den Fischen auslösen Inzwischen versuchen wir zu verstehen, wie sie hier überhaupt überleben können Sie sind ein natürliches Experiment, an dem wir studieren, wie sich Tiere an die von Menschen verursachte Umweltverschmutzung anpassen können Dieses Wasser ist so giftig, dass hier eigentlich gar keine Fische mehr leben sollten Was ist geschehen? In ihrer Zuchtanlage ziehen die Wissenschaftlerinnen Fische aus dem vergifteten Hafen von New Bedford auf, und zum Vergleich solche aus einem nicht verschmutzten Fluss, die noch nie mit PCB oder Dioxin in Kontakt gekommen sind Mal sehen, ob sie Eier für uns gelegt haben Als Erstes setzen die Forscherinnen die Fischeier der Tiere aus dem sauberen Fluss dem giftigen PCB aus dem Hafen aus Hi, how’s it going? – Really well Nachdem die Embryos aus diesen vergifteten Eiern geschlüpft sind, zeigt sich ein dramatisches Bild: Die Herzen sind verkümmert und können kein Blut mehr durch die Körper der Embryos pumpen Das PCB hatte ziemlich einschneidende Auswirkungen auf die Entwicklung, so wie wir das bei giftigen Chemikalien erwarten Diese Kombination von Anomalien hier ist meiner Erfahrung nach absolut tödlich Es gibt keine Chance, dass das Tier überhaupt schlüpft,

vom Überleben nach dem Schlüpfen ganz zu schweigen, denn das Herz funktioniert nicht Das Blut zirkuliert nicht Was ist passiert? Mit einem Kontrastmittel machen die Wissenschaftlerinnen die Enzymaktivität in den ungeschlüpften Fischen sichtbar Man sieht, wie das Substrat in den Blasen der Fische fluoresziert Das zeigt, dass die Enzyme arbeiten und die entsprechenden Abbauprodukte in der Blase sichtbar werden Die aktiven Enzyme zeigen: Der Embryo versucht zwar mit allen Kräften, das Gift abzubauen, aber genau daran geht er zugrunde Wie entwickeln sich aber die Nachkommen der Fische aus dem giftigen Wasser? Okay, die Fische aus New Bedford wurden dem gleichen PCB-Spiegel ausgesetzt Wie wir bei diesem Embryo sehen können, scheint es keinerlei Wirkung zu haben Das Herz schlägt normal und der Embryo ist sehr gut entwickelt Das sieht aus wie ein Embryo Er ist fast schon schlüpft Einige sind tatsächlich schon geschlüpft Eigentlich müssten diese Fische tot sein, vergiftet durch eines der gefährlichsten Umweltgifte Doch die Evolution hat einen Ausweg gefunden Die Forscherinnen untersuchen nun den Stoffwechsel der Fischembryos, denen das PCB offenbar nichts anhaben kann Hier leuchtet nur sehr wenig Es ist ein starker visueller Unterschied, der darauf hindeutet, dass das Enzymsystem in den New-Bedford-Fischen defekt ist Die Fische aus New Bedford haben ihren Stoffwechsel umgestellt, sodass ihnen das Gift nichts mehr anhaben kann Ich hoffe, dass wir unsere Erkenntnisse auf andere Fische und sogar andere Wirbeltiere übertragen können Je besser wir Umweltgifte und ihre Auswirkungen verstehen, desto klarer wird auch, welche Tierarten am stärksten gefährdet sind Fische, die eine Giftkatastrophe überleben können – das ist urbane Evolution in Vollendung Zurück auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich Es ist bald Mitternacht Wir warten immer noch darauf, einen der Stadtfüchse zu sehen Da ist einfach nichts – Immer noch nichts Nein. Das ist der Klassiker Zirpende Grillen und sonst Totenstille Kein einziger Fuchs Nicht einmal einer seiner Mitbewohner Welche Mitbewohner hat er denn? Wir haben – Waldameisen? Nein, wir hatten auch schon Dachse in der Kamerafalle Wirklich? – Ja Haben Sie davon auch Bilder? – Sicher Ich hole sie mal raus – Ein Dachs? Ist er einfach in der Nähe oder im selben Bau? Er hat denselben Bau betreten Ja? Ein echter WG-Mitbewohner? – Sozusagen, ja Tatsächlich Oft gräbt der Dachs den Bau Der Fuchs ist eigentlich sein Mitbewohner Und er lässt ihn einfach rein? Der Bau ist gross genug, dass jeder sein eigenes Zimmer hat Sie schlafen nicht im selben Bett, aber sie dulden einander gut Da wir gerade dieses Beispiel haben: Werden künftig immer mehr Wildtiere in der Stadt heimisch? Was vermuten Sie? – Das könnte schon sein Beim Dachs hat man in den letzten Jahren die gleiche Entwicklung wie beim Fuchs gesehen Er kommt vermehrt auch in städtischen Gebieten vor Es gibt noch andere Arten, die sehr anpassungsfähig sind Da könnte man sich denken, dass sie in der Stadt Fuss fassen werden Zum Beispiel? – Das Wildschwein Das ist schon an den Stadträndern Zürichs Oder z.B. der Waschbär, eine invasive Art, die in der Schweiz noch nicht so verbreitet ist, die aber in Deutschland in vielen Städten zu einem richtigen Städter wurde Was wünschen Sie sich für die Zukunft von den Stadtwildtieren? Dass es viele Gärten und Parkanlagen wie diese gibt, wo sich die Tiere zu Hause fühlen Naturnahe Gärten, Wildnishaufen, vielleicht auch eine wilde Ecke im Garten Also dass wir den Tieren Platz schaffen Ja, genau – Danke sehr Merci – Wir warten noch ein wenig, nicht?

Vielleicht sehen wir noch einen – Wer weiss? Ich gebe nicht so schnell auf – Nein Viel später, als wir gerade aufgeben und eine Abmoderation im Sinne von “Für die Füchse gewartet” drehen wollen * Unverständliche Stimme * Was? Ja, da ist er – Dort Unglaublich – Das Warten hat sich gelohnt Wir haben ihn noch gesehen Gut möglich, dass uns die Stadtfüchse auf dem Friedhof Sihlfeld die ganze Zeit heimlich und neugierig beobachtet haben Wie immer mehr Tiere und Pflanzen passen sich diese Städter in rasendem Tempo dem urbanen Lebensraum an Hier geschieht Evolution sozusagen vor unseren Augen – wenn wir diesen Tieren und Pflanzen trotz immer mehr Teer und Beton noch etwas Platz und städtische Natur zugestehen Lust weiterzuschauen? Wenn ihr erfahren wollt, weshalb Naturwiesen so wichtig sind, einfach hier klicken Und vergesst nicht, unseren Kanal zu abonnieren Bis dann, tschüss!