Pfadfinder: Abenteuer, Uniform und erste Liebe | 7 Tage | NDR

Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2015 * Das Leben lebt sich gut * * Manchmal braucht es Mut * * ‘nen Schritt nach vorne zu geh’n * * Und die andern mal mit andern Augen zu seh’n * * Glaube mir: Dann lebt sich das Leben schön * Verhungerte Kinder Als würden die nie was zu Essen kriegen Oha Tore, das wollte ich doch machen Das bin ich, Hendrik Die nächsten 7 Tage will ich mit diesen Pfadfindern verbringen Scheiß Steine Zum ersten Mal campe ich wild – mit 32 Die Jungs sind auf sich selbst gestellt Sie wissen morgens nicht, wo sie abends schlafen, Wasser herbekommen und ob es trocken bleibt Die in den roten T-Shirts, das sind Anton und Rune Die leiten die Gruppe, sind aber kaum älter als die Jungs Zusammen sind sie eine Sippe Wie ist das, gemeinsam auf der Suche zu sein nach dem richtigen, dem eigenen Weg? Wie ist das, gemeinsam erwachsen zu werden? Davon handelt dieser Film Wollen wir das Tuch wickeln? Ja Wichtig ist, dass du’s nicht wäscht Ja, sehe ich Tradition Nicht waschen? Warum nicht? Die Erinnerungen werden sonst herausgewaschen Ist das richtig so, Anton? Ja, mach weiter Weil die Erinnerungen rausgewaschen werden? Ja Kein Vergleich zu vorhin Und den Knoten macht man auch nicht mehr auf? Eigentlich ist ein Versprechensknoten drin Was ist ein Versprechensknoten? Vom Pfadfinderversprechen Pass auf, dass es nicht wieder aufgeht Ab 12 bist du Pfadfinder und machst ein Versprechen Von jedem Stamm wird das anders gehandhabt Wenn man Pfadfinder wird, kriegt man das Tuch Dann legt man das Pfadfinderversprechen ab Du versprichst dem eigenen Stamm was Aber was, wollt ihr nicht sagen? Das sind Pfadfinderregeln: Ich will sparsam sein Meinen Mitmenschen dienen Hilfsbereit sein Was bin ich, wenn ich noch kein Versprechen abgelegt habe? Quereinsteiger Pfadfinder auf Probe Ungeschriebenes Pfadfindergesetz: Eltern haben hier nichts zu suchen Ich verfluche diese Teile Was ist das, Emil? Die blöden Zug-Dinger, ich hab einen Überbiss Pferdefresse. Nicht mehr Die Nächte davor habt ihr ohne Kote, also unter freiem Himmel geschlafen? Im Pfadfinderslang: kalte Platte Und was ist jetzt mit Kote? Kalte Kote Zelten Wir zelten schwarz Wie spät ist es? 22 Uhr? 21.30 Uhr Dann geht ihr schon in die Falle? Ja, morgen um 6 aufstehen Musst du auch, vor der Wärme Manchmal stehen wir sogar um 5 auf * Gelächter * Dann wird erst mal gekackt Gruppenkacken Wenn ich mich erinnere, wie schüchtern ihr wart Die meisten im Zelt sind 13, 14 Die Jungs suchen ihren eigenen Weg 12 kg auf dem Rücken Im Kopf: den inneren Kompass Und der dreht sich ordentlich 3 Tage wandern wir querfeldein

Immer in Richtung Bundeslager der Pfadfinder Das hat doch gerade schon gedonnert Ja, aber es sind noch 28 Grad, abends 24 Grad Also pack ich mein Verhüterli noch nicht drüber Ist da irgendwo ‘ne Hütte, Rune? Hier ist eine Aber keine Ahnung, wie die aussieht Das kann so eine wie eben sein Da kann man sich unterstellen, aber die kann auch super alt sein * Donnern * Aber vorhin war es noch da Wir hoffen, dass es weiterzieht Und uns in Ruhe lässt * Regenprasseln * * Heftiger Donner * Pfadfinder wollen auf eigenen Füßen stehen – wie man selbst damals Selbstständig sein Auch wenn man sich dabei nasse Socken holt So passt das Zu Hause ist immer dort, wo man Freunde findet So einen wie Tore Und sei es in einem alten Schweinestall Du bist noch nicht lange dabei, oder? Wie findest du es? Es ist spannend, was man so erlebt und was man so kennenlernt Hat auch gedauert, ehe ich vieles gelernt hab Du musst auch mit den Umständen klarkommen, wenn du draußen schläfst Und dann stehst du auf und hast trocken Brot zum Frühstück, weil der Käse und die Wurst in der Sonne lagen Dann kannst du nur 2 Scheiben Brot zum Frühstück essen und musst den ganzen Tag wandern – mittags gibt es einen Kanten Brot ‘ne blöde Situation, aber Hattest du schon mal Heimweh? Eigentlich habe ich immer Heimweh, wenn wir aufstehen Dann ist es immer so früh Man hat ‘ne Viertelstunde Zeit, dann muss alles draußen stehen Und wenn alles ruhig ist, überall noch Nebel und nass, alles fliegt herum und du sieht morgens nichts im Zelt Dann denke ich: Zu Hause ist alles schön warm und trocken Aber es gibt auch Momente, wo man in der Gruppe viel Spaß hat Dann denk ich: “Gut, dass ich hier und nicht zu Hause bin.” Das können wir irgendwie reißen oder schneiden Das Brot ist nicht mehr zu retten Tütensuppe schweißt zusammen Bei den Pfadfindern kommt keiner zu kurz Hier kriegt jeder gleich wenig Man hat ja dieses Abenteuerding Man tauscht den Luxus, das weiche Bett gegen die steinharte Isomatte, hat dafür aber Abenteuer Da lernt man mal, auf was zu verzichten Das ist eine große Sache, die man hier lernt Das braucht man im Leben viel, wo man verzichten muss Und das lernt man hier schon mit 14 Jahren Andere kriegen das zu Hause alles in die Schuhe gesteckt von ihren Eltern. Nett ausgedrückt Es wär halt dumm, wenn die abends ihren Nintendo oder ihre Playstation rausholen So was würde die Atmosphäre kaputtmachen Das würde ich nicht tolerieren Knacki, was soll das? Ich habe gesagt: Ich suche ‘ne Socke Wer sie sieht, soll Bescheid sagen Das habe ich nicht gehört * Vogelgezwitscher * Für Pfadfinder ist es völlig klar, dass man zusammengehört Und dass man das auch zeigt

Ein männlicher Pfadfinder trägt dann diese Tracht Das ist das Zeichen vom Stamm Waldreiter Das ist euer Wappen, von den Waldreitern Wenn ihr durch eine Ecke lauft, wo Leute Pfadfinder nicht kennen und alle sehen ähnlich aus, kriegt man mal einen Spruch? Es gibt immer diese Vorurteile, dass wir uns mit Blättern auskennen, an Bäumen schnüffeln Insekten essen Die meisten kennen das aus den US-Filmen: Kekse verkaufen und Feuerabzeichen machen Aber das sind wir nicht Komische Abzeichen machen, aber das sind wir nicht Das sind die amerikanischen Warum macht ihr das nicht? Das ist doch schwachsinnig Wozu braucht man ein Abzeichen, um Feuer machen zu dürfen? * Akustikgitarrenmusik * Endlich baden Im Freibad Wieder gut riechen, Haare kämmen, Klamotten wechseln Reicht schon zum Glück * Donnergrollen * * Stimmengewirr * Nach 3 Tagen Dauerlatschen wird das Lager größer Du brauchst mal Haar-Gel Deine Haare waren in Irland besser Oder war das Schweden? Deine Haare kleben, hast du die gewaschen? Auf einmal ist alles anders Fast alles Reis und Nudeln Selten so ausgewogen gegessen Wenn man wandert, ist Verstopfung nicht schlecht? Wahrscheinlich nicht Besser als Durchfall Besser als in die Brennnesseln gehn Zu Hause wechselt das Essen, aber der Ort bleibt gleich Hier wechselt der Ort, aber das Essen bleibt gleich In der Scheune treffen Karibus, Eisfüchse und Aborigines aufeinander Und auch Jungs auf Mädchen Duscht man etwas öfter, wenn man mit Mädels unterwegs ist? Benutzt Deo oder so? Ja, sofern es geht Man versucht immer, gepflegt rüberzukommen Es kann immer sein, dass man jemanden trifft Hast du schon jemanden getroffen? Ja Ja? Bei den Pfadfindern? Ja Ist die hier? Ja, die Blonde da Ist schon ein bisschen her Und fand die dich auch gut? Ja Wir gingen halt in eine Klasse * Kichern * Ja, weiß nicht, dann war’s halt so Aber ist schon ziemlich lange her Schon wieder vorbei? Ja Aber es hat ein Jahr gehalten Hoffst du, dich hier wieder zu verlieben? Kann passieren Aber von denen glaube ich nicht * Melodie: Angi Domdey – “Unter dem Pflaster” * (Alle singen) Komm lass dich nicht erweichen Bleib hart an deinem Kern Rutsch nicht in ihre Weichen Treib dich nicht selbst dir fern Unter dem Pflaster Ja, da liegt der Strand Komm reiß auch du Ein paar Steine aus dem Sand Am 4. Tag erreichen wir das Bundeslager

Ihr dürft hier hochlaufen, am Infopoint meldet ihr euch bitte Die sagen euch, wo euer Lagerplatz ist Nicht unterm Lagertor durch Nicht unterm Lagertor durch! Was findet man beim Pfadfinden? 4000 andere, die dasselbe suchen Abenteuer unter Abenteurern erleben Unter freiem Himmel, aber mit festen Regeln Oh, ist das warm hier drin Jeder hier ist verantwortlich – für sich und für die anderen Ein eigenes Dach über dem Kopf bauen Und endlich mal selbst entscheiden, mit wem man unter diesem Dach wohnen will Wenn das mal hält Es ist ‘ne Familie, auf jeden Fall Ich bin ja Einzelkind Als ich mit den Pfadfindern begann, war das wie ein Geschwisterersatz Ich habe mir immer Geschwister gewünscht Es war schön, so viele Leute um sich rum zu haben, die einen gut kennenlernen Die wissen, was meine Stimmungen sind, womit man mir eine Freude macht Aber es ist oft so, dass Pfadfinder Pfadfinderfreunde haben Man kennt die Klischees: Dass das peinlich ist und Pfadfinder uncool sind Deswegen ist es schwer, diese Pfadfinderwelt jemandem zu erklären, der da nicht durchblickt oder das Verständnis dafür aufbringt Wir sind unser eigenes soziales Netzwerk Kommunikation über Technik brauchen wir nicht Das ist viel mehr das, was ich mir vom Leben wünsche, als zu Hause zu sitzen und den Fernseher einzuschalten Und mich vom blöden Gesabbel, was mich nicht interessiert, berieseln zu lassen Aber man macht es trotzdem Weil man die Leute hier nicht um einen rum hat Man merkt krass, wenn man eine Fahrt nicht mit ist Plötzlich sind alle weg Ich hatte Praktikum in den Ferien und die hatten ‘nen Segeltörn Ich wusste nicht, was ich machen soll, keiner war da Man müsste sich selbst ein Versprechen geben: Niemals ganz erwachen werden Und los! * Kreischen * * Melodie: Foo Fighters – “My Hero” * Don’t the best of them Bleed it out While the rest of them Peter out Truth or consequence Say it aloud Use that evidence Race it around * (Funk) Die Sonne scheint. * Penis. * Schädel. * 14 sein kann jeder: Man braucht nur eine Tüte Brause und einen Schluck Wasser Durch die Nase, bäh Das ist immer noch so sauber wie am Anfang Gib mal jetzt Sieht es bei mir sauber aus? Ja Dann hast du was falsch gemacht Immer noch nicht dreckig Gib mal Noch mal raufrotzen Nein, nicht rotzen, ey Super Er könnte es noch zurückbringen, aber jetzt nicht mehr. Vorbei Du trägst es auch immer so … So! Muss runter Aber bloß nicht untern Kragen

Drüber? Drunter hatte die Hitlerjugend Es werden Verbindungen hergestellt, und das wollen wir nicht. Okay Irgend so ‘ne Story war da, auf jeden Fall machen wir das nicht Werdet ihr noch angefeindet, weil irgendwer denkt, dass ihr da noch mit drinsteckt? Das Krasseste war, da war ich 12 Erste Sommerfahrt in Slowenien: Da wurden wir gefragt, ob Hitler noch an der Macht ist Die Menschen wollten wissen, ob das noch so ist und wie wir Hitler finden Was anderes kannten die nicht Die kannten Deutschland nur in dem Zusammenhang Oft kommen ältere Leute zu einem: “Na, seid ihr von der Hitlerjugend?” Manchmal passiert einem das wirklich noch Das wurde alles aufgegriffen von den Pfadfindern, die gab es ja vorher Es wurde übernommen, weil man gemerkt hat, dass man junge Leute so gut beeinflussen kann Pfadfinder wurden dann verboten Es gab nur noch die Hitlerjugend Es gibt Gruppen noch heutzutage, die die Jugendbewegungen ausnutzen Sie sagen: “Das machen wir zu unserem Nutzen und verbreiten rechtes Gedankengut.” Man wird schnell verwechselt (Alle singen) Ruhig trinken sie vom großen Wasser Darin Sterne wie am Himmel stehn Und sie heben ihre starken Köpfe Lautlos in des Sommerwindes Wehn Klar könnte man das verwechseln Aber nur, wenn man Jungs wie Simon, Emil und Tore nicht kennt Die Pfadfinder hier haben mit den rechten Idioten nichts zu tun Langsam schreiten wieder sie von dannen Tiere einer längst vergang’nen Zeit Und sie schwinden in der Ferne Nebel Wie im hohen Tor zur Ewigkeit Und sie schwinden in der Ferne Nebel Wie im hohen Tor zur Ewigkeit Essensspruch Pia, mach mal Doch Gut Die Sonne ist ein Lutschbonbon, schmeckt sicher nach Zitrone Leider hab ich nichts davon, weil ich hier unten wohne Das ist lustig: Alle kommen her, um Abenteuer zu erleben – frei zu sein Und was machen die hier? Stehen um 7.30 Uhr auf – freiwillig In den Sommerferien Voller Elan! Das macht Spaß, Hendrik Abwaschen macht voll Spaß Das klang aber nicht motiviert Hey, Abwasch. Huuuu! Wascht ihr zu Hause auch ab? Die Spülmaschine wäscht ab Musste nur noch ein- und ausräumen Und hier sind wir die Spülmaschine Köpfe rein! Was passiert jetzt? Die springen über dich rüber Rüber! Rüber! Achtung, ich komme! Achtung! Jetzt! Ah, wer ist das? * Kreischen * 1, 2, 3 Jaaa! Oh, Alter Manchmal macht den Unterschied zwischen 14 und 32 eine einzige Frage aus Habt ihr euch dabei schon mal was getan? Gehirnerschütterungen Paar Beinbrüche Amputationen Dann kann jeder sagen, was ihm weh tut, welche Verletzungen er hat

Dann fühlt man sich gut, wenn alle ‘ne Wunde haben Du gibst meist damit an, was deine schlimmste Wunde ist Du suchst die kleinen raus und dann steigerst du dich “Meins ist viel schlimmer als deins.” Ich hab ‘nen Beinbruch und sie ‘nen Spiralbruch Dann hab ich beide Beine gebrochen * Stimmengewirr * Das ist gemein, du bist doppelt so alt wie ich Und doppelt so schwer Das sowieso Dann kommen die Mädchen wegen dem gleichen Kram wie Jungs? Natürlich Im Dreck wühlen, andere auf den Boden ditschen In den Wald scheißen Jetzt echt? Ich bin empfindlicher als Jungs, aber ich kloppe mich auch gern Ich bin kein Mensch, der sich in der Schule prügelt Das machste bei den Pfadfindern. Ja Geht es los? Können wir los? Erwachsensein kann einem echt den Spaß versauen Überall sehe ich nur spitze Äste, rutschigen Boden und blutige Nasen Letztlich ist auch egal, wer gewinnt Ja. Hauptsache: Fun Wann verliert man die Sorglosigkeit? Mein letzter Morgen Die Isomatte werd ich nicht vermissen Wann wachsen wohl Anton und die anderen da raus? Und was nehmen sie mit? Wir waren auch mal klein und hatten unsere Sippenführung Die haben uns Sachen beigebracht, wir tragen es nun weiter Und hoffen, dass die das weitertragen an die nächste Generation Das soll jugendlich bleiben Nicht, dass ein 30-jähriger Vater mit denen auf Pfad geht Es soll kein großer Altersunterschied sein Wie lange willst du das machen? So lange wie es geht “Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder.” Dass man immer dabei ist Irgendwann nicht mehr aktiv Das ist eine Lebenseinstellung, das trifft es gut 7 Tage bin ich mit Pfadfindern auf ihrem Pfad gewandert Immer im Ohr: ihren eigenen Soundtrack Jetzt noch Kragen und hoch Tuch so? Ja * Melodie: Wladimir Schainski – “Das Lied des Krokodils Gena” * Seht die Leute, sie springen ungeschickt über Pfützen Wasser sammelt sich auf dem Asphalt Und sie gehen vorüber, Stund um Stund wird es trüber Ja, ich lache, mir ist gar nicht kalt Das Tuch um meinen Hals nehme ich mit nach Hause Waschen werde ich es sicher nicht – da stecken ja die Erinnerungen drin Aus allem anderen wächst man mit der Zeit raus Aus so einem Tuch nie Auch nicht mit inzwischen 33 Jahren (Alle singen ein Geburtstagslied) Herzlichen Glückwunsch, Hendrik (Alle) Herzlichen Glückwunsch * Jubel * Wahnsinn * Akustikgitarrenmusik * Copyright Untertitel: NDR 2015