Die Fränkische Schweiz | WDR Reisen

Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR * Musik * Was für ein Spaß Kommen Sie mit mir in eine der schönsten Bilderbuchlandschaften Deutschlands Die Fränkische Schweiz liegt im Norden Bayerns zwischen den Städten Nürnberg, Bamberg und Bayreuth Wir machen eine Reise mit vielen Naturerlebnissen Die “Fränkische” ist auch ein Paradies für Abenteurer und Familien Das Brauchtum hier ist jung geblieben Die Natur zeigt sich von der besten Seite * Musik * Kommen Sie mit Ich zeige Ihnen, wie es geht: Urlaub in der Fränkischen Schweiz Wenn Ihr jetzt so was habt, wenn eine so richtig gelb ist, die würde ich euch bitten, dass ihr die in die Grätze tut Die müssen wir in 1, 2 Tagen verarbeiten Das ist die Grätze? – Das ist ein Grätzen Korb, Erntekorb – Na, ein Grätzen Im Fränkischen ist das ein Grätzen * Musik * Das ist kein Zufall, dass wir hier in der Fränkischen Schweiz Birnen ernten Das ist tatsächlich eins der bedeutendsten Obstanbaugebiete Deutschlands Ich freu mich, dass ich hier bin, das ist für mich Heimat Ich bin zwar nicht in Franken geboren, aber es ist meine Herzensheimat Weil ich die meiste Zeit meines Lebens hier verbracht habe und total gerne hierherkomme Ich freu mich, Sachen wieder zu entdecken Und andere neu zu erlernen, wie z.B. Birnen ernten * Musik * Wer beim Ernten hilft, bekommt bei Roland und Andrea Schmitt freie Kost und Logis auf ihrem Obsthof bei Obereherenbach Familienanschluss inklusive Das ist schön mit den Schürzen Sterntaler Die meisten Birnen hier werden zu Obstbrand verarbeitet So entstand die höchste Brennerei-Dichte der Welt Darf man die eigentlich auch essen? Wenn man so nah an der Frische ist, dann muss man auch mal reinbeißen Wie findest du es, hier arbeiten gegen Kost und Logis? Find ich super, gutes Essen im Frankenland Schlafen kann man auch gut, das passt alles Man ist an der frischen Luft Es sind oft Leute, die Ruhe suchen Die aus ihrem bisherigen Alltagstrott total entfliehen wollen Ich denk an einen, der war aus Berlin Der hat es beschrieben: In der Natur aufwachen In Berlin wachst du durch Motorenlärm auf und hier Vögelgezwitscher, an der Luft den ganzen Tag Der hat es genossen Eine halbe Million Obstbäume stehen in der Fränkischen Schweiz: Äpfel, Birnen, aber auch Kirschen und Mirabellen Für mich ist erst mal für heute Schluss mit Obst Was ist denn los? Ist doch alles gut Alles gut Sind nur 3 Hunde, aber man meint, es sind 15 Es ist immer irgendwo einer Wenn man 6, 7 h gearbeitet hat, dann hat man frei Diese Zeit nutze ich, um die Fränkische Schweiz zu erkunden Und zwar mit dem Motorrad Das ist sehr aufregend für mich, weil ich das früher auch so gemacht habe Bin ich auch in der Fränkischen unterwegs gewesen Aber es ist 15 Jahre her Ganz wichtig für Sie: Sie kennen ihn, den roten Rucksack Der ist auch dieses Mal immer dabei Fährt mit mir auf dem Motorrad mit Es kommt natürlich auch was rein Auch wenn Sie ihn nicht ständig sehen, wir füllen ihn 3 Jahre später Mein 1. Ausflug führt mich vom Obsthof in Oberehrenbach

über den heiligen Berg der Franken, das Walberla zum Flugplatz bei Ebermannstadt, wo ich eine Verabredung habe * Musik * Genau in diesem Augenblick macht sich übrigens gerade meine Verabredung von Würzburg aus auf den Weg Es ist Gerhard Launer, der die Fränkische Schweiz v.a. von oben kennt * Musik * Ich bin in der Zwischenzeit auf dem Walberla angekommen Auf dem Zeugenberg hatten die alten Kelten früher eine Siedlung errichtet Heute steht hier noch eine kleine Kapelle Ich bin schon oft hier gewesen und komme immer wieder gern zurück, nicht nur der Aussicht wegen * Musik * Ich freu mich, das war echt stark Toll, dass wir zusammen fliegen können Das ist immer noch die gleiche von früher, oder? – Ja Wie kommt es, dass du immer noch das gleiche Flugzeug hast? Weil es mich toll begleitet hat Dein Lieblingsflieger? – Genau Das kenne ich jetzt in- und auswendig, das werde ich nicht mehr hergeben Hab ich echt nostalgische Gefühle Geht mir immer so, wenn ich einsteige Bei mir ist es viele Jahre her, dass ich mitdurfte Heute ist es wieder so weit * Musik * In der Fränkischen Schweiz, das sieht man am besten von oben, reihen sich die schönen kleinen Orte wie Perlen an einer Kette Das ist das Walberla Mit der kleinen Kapelle, wo ich vorhin angehalten habe Die Fränkische Schweiz ist super grün Das fasziniert auch meinen Freund Gerhard immer wieder Selbst in größeren Orten entdeckt man kaum Industrieanlagen * Musik * Da fahre ich in dieser Woche auch noch hin * Musik * Gerhard kann das Arbeiten nicht lassen Über 20 Bücher mit Luftbildern hat er schon veröffentlicht * Musik * Wie man sieht, gibt es viele Burgen in der Region Das hier ist Gössweinstein mit seiner berühmten barocken Wallfahrtsbasilika Ein Abenteuer

Ein echtes Abenteuer Das hatte ich nicht mehr in Erinnerung, das ist echt Sport – Stimmt Aber wir haben heute traumhafte Bedingungen gehabt Der legt sich in die Kurve, Teufelskerl Es waren traumhafte Bedingungen, ne? – Es war einzigartig Es war wunderschön Entschuldigung, das ist ein bisschen platt bei unserer Sendung Aber es war wunderschön Du fliegst viel und siehst von oben, wie sich die Landschaft verändert Wie verändert sich die fränkische? Gerade dieses Gebiet hier, weil es ein ländliches Gebiet ist, relativ wenig Industrie, verändert sich nicht so sehr wie andere Gebiete Ich fliege zu verschiedenen Jahreszeiten Diese Veränderungen sind da Sie sind besonders hier durch die Verfärbungen gerade im Fast-Mittelgebirge Ansonsten verändert sich wenig, die Ortschaften verändern sich wenig Es ist vertraut, hier zu fliegen – Das ist doch auch mal schön Dass einfach mal etwas so bleibt, wie es ist. – Das sehe ich auch so Bist du noch ein paar Tage da? – Ich bin noch 3, 4 Tage da Ich würde mich freuen, wenn du noch mal dabei sein könntest Vielleicht sehen wir uns noch mal Gerhard, es war klasse, vielen Dank, alles Gute Gerhard Launers Buch über Deutschland ist unser 1. Rucksackgeschenk Jetzt hab ich Hunger Ich kenn da eine Brauereiwirtschaft, wo es gutes Essen und ganz besonderes Bier gibt * Musik * Übrigens, dieser Teil von Franken ist Bierland Die besagte Brauereiwirtschaft liegt mitten in Pretzfeld Ich bin vorgewarnt worden, hier ist es immer voll Hallo Die Gerichte auf der Karte sind traditionell fränkisch und kosten kleines Geld Das Bier hier hat schon viele Preise gewonnen Das ist der Wirt Hallo. Ich hätte gern eine große Apfelschorle und das Schäufele Schäufele ist leider aus Dann irgendwas mit Kloß? Vielleicht ein Biergulasch mit Kloß? – Oder den Wildschweinbraten? Der ist leider auch aus Den Schweinebraten? – Ja, der ist noch da Okay. Gerne – Danke schön Kloß muss sein, ohne Kloß geh ich hier nicht weg Diese Gaststätte war mal eine alte Scheune Die hat der junge Wirt Mike Schmitt umgebaut und einen Familienbetrieb in die Welt gesetzt Seine Tanten führen die Küche Aber das Kerngeschäft ist die neu gegründete Bierbrauerei In der Fränkischen Schweiz gibt es sie noch, die kleinen Bierbrauer, und davon nicht wenige Ein alkoholfreies Weizen, zum Wohle Der halbe Liter Bier nennt sich hier Seidla Bei Mike kann man 5 selbst gebraute Biere vom Fass bestellen Insgesamt gibt es in Oberfranken über 600 eigenständige Biersorten Mike, zum Wohl – Zum Wohl Du bist hier der Chef und du hast die Nerven gehabt, hier im Fränkischen, wo schon an jeder Ecke eine Brauerei ist, auch noch eine aufzumachen Was machst du anders? – Wir machen Gourmetbiere Wir machen z.B. Starkbiere, die wir für mehrere Monate in Holzfässern lagern Was sind das für Fässer, wo kommen die her? Die Fässer kommen aus der ganzen Welt, das sind gebrauchte Bourbon-Fässer, Sherry-Fässer, Rotwein-Fässer Kennt man vom Wein, machen wir praktisch Barrique-Biere Dann schmeckt das Bier nach Bourbon und Rotwein? Die Biere nehmen das Aroma aus den Fässern Ist ähnlich wie beim Wein Dass man das Aroma, was zuvor drin war, mitnimmt Da kann man interessante Geschmacksrichtungen erzielen Ob Gerstensaft aus dem Barrique-Fass oder Bier aus geräuchertem Malz, man lässt sich was einfallen Alle paar Kilometer ragt ein solcher Schornstein aus der Landschaft Und man weiß, wieder eine Brauerei 70 familiengeführte Betriebe gibt es in der Fränkischen Schweiz Ihre Luxusbiere finden oft ihren Weg in Spezialgeschäfte

in ganz Deutschland Doch der Großteil des produzierten Saftes wird gleich vor Ort getrunken Deshalb braucht es keine Konservierungsstoffe, ist naturtrüb und soll duften wie frisches Brot, sagt der Kenner Bitte schön – Danke schön Wir wünschen guten Appetit Der Kloß ist das Allerwichtigste Kloß mit Soß, damit werden hier alle Kinder groß Ist wirklich so Für den Rucksack aber keinen Kloß, sondern 2 fränkische Bierseidla * Musik * * Weckerklingeln * * Musik * Guten Morgen – Morgen Grüß dich. Gut geschlafen? – Ja. – Prima Wenn man viel arbeitet, schläft man auch gut Beim üppigen Frühstück mit Roland und Andrea fühlt man sich wie in einer großen Familie Hier zu arbeiten und umsonst zu wohnen und zu essen hat auch einen Namen: “Ernteerlebnis Fränkische Schweiz” nennt sich das Man muss aber mindestens eine Woche bleiben Und das ist auch gut so Denn dann lernt man sich ein bisschen besser kennen Hast du ein paar Bilder? – Ja, vom Walberla Das ist ja ums Eck Es war echt schön von oben Das erkennt man gut mit der Kapelle Das allererste Mal war ich dort, da war ich 15 oder 16 Roland findet den heiligen Berg Walberla immer noch faszinierend und empfiehlt dort eine Wanderung zur Kirschblütenzeit oder zum Walberla-Fest Doch das ist dieses Jahr leider schon vorbei Und am Wochenende haben wir jetzt Kerwa, da müsst ihr vorbeischauen – Das mach ich Kerwa muss man eigentlich erklären Kerwa ist ja Kirchweih Ein kirchliches Fest, wo auch Gottesdienste dazugehören Sonntag ist dann Kirche Und ein Kirchweih-Baum aufgestellt wird Man kann es am ehesten vergleichen mit unseren Schützenfesten in NRW Von der Tradition und der Wichtigkeit im Ort Ist einfach ein gesetzter Termin Leni ist der 1. Hund, den ich gesehen habe, der permanent Birnen frisst Ich esse am 2. Erntetag wesentlich weniger Birnen als gestern Woran das wohl liegt? (singen) Das ist ja Work and Travel in der Fränkischen Anna? Das ist mein Papa Das ist jetzt typisch für ihn Er fährt mitten in die Birnenernte rein Genau so ist der Hallihallo, was treibst denn du da? – Du kommst hier nie wieder raus Wahrscheinlich Unangemeldet mitten im Birnenhain Danke Und? Hast du Zeit? – Ja Hock mal drauf Wo kommst du her? Ich hab eine kleine Tour gemacht und in Muggendorf hab ich erfahren, dass du irgendwo wärst Dann hab ichs gleich gefunden Mit meinem Papa, ein Wort zur Erklärung, wir sind zwar zusammen, ich bin in der Fränkischen mit meinen Eltern aufgewachsen, aber mir schwätze Schwäbisch daheim Weil mein Papa Schwabe ist, da kann man nix dran machen Das ändert sich nimmer Was ist, bin ich jetzt eigentlich Schwäbin oder Fränkin, hab ich dich immer gefragt Weißt du noch, was du gesagt hast? – Sag mirs Mit der Sau und dem Pferd? Weißt noch? (spricht Schwäbisch) Wenn ein Pferd in einem Saustall auf die Welt kommt, was ist es, eine Sau oder ein Pferd? Oder war es andersrum? – So ähnlich war es Mein Arbeitstag ist vorbei Papa geht vor

Raten Sie mal, wer mich zum Motorradfahren gebracht hat? Mein Vater Und jetzt raten Sie mal, wer es mittlerweile gar nicht mehr so gerne sieht, wenn ich fahre? Mein Vater Aber an unsere gemeinsamen Spritztouren erinnern wir uns beide gern * Musik * Bei dem, was ich jetzt vorhabe, wollte mein Vater nicht mit Ich fahre wieder ausgehend von Mittelehrenbach, über Streitberg nach Muggendorf, ins Tal der Wiesent Von dort geht es aufs Wasser * Musik * Streitberg ist wirklich entzückend Hier ist alles idyllisch und v.a. gesund Der Ort ist schon immer Kurort gewesen Und wahrscheinlich sah es hier genauso aus, als die beiden romantischen Dichter Tieck und Wackenroder hierherkamen, um sich in der Umgebung von den wilden Felsformationen inspirieren zu lassen * Musik * Die wilden Felsen in der Fränkischen sind gar nicht so leicht zu erklettern Viele Dolomit-Formationen haben den höchsten Schwierigkeitsgrad, nämlich 11+ Durchquert wird die Fränkische vom Fluss Wiesent, der extrem klar ist und in dem viele Fische wohnen Im Sommer trägt die Wiesent ein Kleid aus weißen Blüten Besonders gut von oben sieht man den Wasserhahnenfuß, eine Unterwasserpflanze, die nur in klaren und schnell fließenden Mittelgebirgsflüssen gut wächst * Musik * Kleine Lektion im Fränkischen Hier sehen wir das Hotel Sternla Alles, was der Franke kleinmachen will, hängt er ein “la” ran Also der kleine Stern Eine kleine Brücke wäre das Brückla, der kleine Bursche ist das Bürschla Das ist wichtig: Das Bamberger Hörnla Vergessen Sie das Croissant, da können die Franzosen einpacken * Musik * Das ist ein Geschäft fürs Fliegenfischen Sehr beliebt an der Wiesent Es kommen Menschen aus aller Welt dafür hierher Ich bin fürs Kanufahren hergekommen Du rechnest damit, dass du patschnass wirst? Wenn ich dich trocken aus dem Boot haben möchte, ist es möglich, dass ich ins Wasser gehe und das Boot schiebe Selbstlos – Dann kannst du vorne raus Hier haben wir noch einen Hut für dich. – Der ist aber schick Wir fahren ab und zu unter Sträuchern durch Fränkischer Cowboyhut – Dann passiert dir nix Safari Die Wiesent, erklärt mir Ralf, darf man morgens erst ab 9 Uhr befahren Vorher wollen die Angler ihre Ruhe haben, wobei wir nicht gerade laut unterwegs sein werden Auf gehts, viel Spaß * Musik * Durch die Auenlandschaft der Wiesent zu paddeln, ist schon was Besonderes Die meisten angebotenen Strecken dauern um die 2 h und sind auch für Anfänger geeignet * Musik * Weiter flussabwärts können wir dann auch die Burg Neideck sehen,

ein Wahrzeichen der Fränkischen hier Die Wiesent hat übrigens zu jeder Jahreszeit genug Wasser Wegen der vielen unterirdischen Zuflüsse, die für angenehm kühle Temperaturen sorgen Die Fische freuts Servus, habt ihr was gefangen? – Ja Oh schön, Glückwunsch Ade * Musik * Und jetzt wird die Wiesent doch etwas wilder als bisher Aber nicht lange * Musik * Ach, ist das schön – Da landen wir an Zurückpaddeln müssen wir Gott sei Dank nicht, uns holt der Bootsverleih ab Ein Träumchen Wasserstandsmeldung? – Es geht, mein Hintern ist nass Das ist normal, trocken kommt aus der Nummer niemand raus Aber der Zustand zeugt von guten Paddelkenntnissen Ich hab schon Leute gesehen, die waren komplett nass Manchmal hab ich Angst, dass die im Boot ertrinken, weil da so viel Wasser drin ist Aber hier alles trocken Um den Hut war ich auch froh Die Äste streicheln einen schon ein bisschen fester Ich bin ganz beglückt, Ralf Geht dir das auch so, obwohl du das so oft gemacht hast? Immer, man muss die Augen offenhalten und die Sinne einschalten und es jedes Mal genießen Das darf nicht egal werden Dafür sorgt die Fränkische, dass es so ist Ist die Wahrheit, sagt ein Nicht-Franke Der hier erst richtig glücklich geworden ist Seit 12 Jahren hab ich beschlossen hierzubleiben Ich werd auch noch ein Weilchen hierbleiben, schätz ich mal Die nächsten 20 Vermisst der Bremer die Küste gar nicht mehr? – Ich hab ja Wasser Jetzt hab ich aber noch Berge dazu Berge, Felsen, ich kann klettern, Kajak fahren, es ist ein Traum Glück, schön Oh, die Schwimmweste hätte ich besser ausgezogen Es ist bei uns keine Pflicht im Auto, Schwimmwesten zu tragen Wir haben Airbags hier, aber es geht auch so Ist auch bequemer ohne Wie lange hält das an, das Glück? – Ein Leben lang Mein nächstes Ziel ist Bamberg * Musik * Bamberg thront auf 7 Hügeln und wird daher auch gern das fränkische Rom genannt In der Mitte befindet sich eine künstliche Insel mit dem berühmten Rathaus Ein anderer Stadtteil wird “Klein Venedig” genannt, nämlich die ehemalige Fischersiedlung mit ihren dicht gedrängten Fachwerkhäusern aus dem Mittelalter Bamberg ist übrigens Unesco-Weltkulturerbe * Musik * Heute werde ich ausnahmsweise mal auswärts übernachten

Denn hier steigt am Abend eine Riesensause, die ich auf keinen Fall verpassen will Dafür habe ich mich in eines der vielen kleinen Hotels in der Bamberger Altstadt eingemietet Super * Musik * Mein Ziel ist eine Studentenkneipe in der Altstadt Hier warten alle auf eine besondere Konzert- und Tanzveranstaltung Auf dem Programm steht die Gruppe “Boxgalopp” * Musik * Hallo, ich bin die Andrea – Grüß dich, Andrea, ich bin David Es ist super bei euch, der Hammer, wie ihr die Leute aufmacht. – Schön Ich freu mich jedes Mal, wie die Leute drauf einsteigen und Spaß dran haben Ich freu mich jedes Mal, dass es so viele junge Leute sind Und dass die auf Anhieb tanzen Inzwischen ist es so, dass wir das schon öfter hier gemacht haben Diese Tanzabende in Bamberg Es sind einige da, die das ein paarmal mitgemacht haben Und die wissen, was ihnen blüht Die kommen gezielt, es steht ja draußen “Hüften schütteln mit Boxgalopp” Hat echt Spaß gemacht. – Schön, dass du da bist und mittanzt * Musik * Soll ich noch was spielen? Alle wollen es hören Ein großes Wort Wieso pumpt denn das nicht? Du musst erst drücken, dann geht die Luke auf, dann geht Luft durch Dann kannst du spielen Wunderschön Ein Traum, oder? – Ein Traum Ein Träumla Als hättest du dein Leben nix anderes gemacht als Akkordeonspielen Es ist auch so Du bist nach Bamberg gekommen, um Akkordeonspielen zu lernen? Ja, aber da muss ich länger bleiben Wie lang bleibst du denn? – Morgen noch Okay, und – Zeigst du mir was? Ja, morgen hab ich Zeit – Super Treffen wir uns, ich zeig dir ein paar Plätzchen in der Stadt Wo? – Am Alten Rathaus auf der Oberen Brücke. Klassiker Klasse. David, dann schönen Abend noch. – Super, sehen wir uns morgen Guten Morgen – Guten Morgen Hallo, schön. Super Gut erholt? – Ja, war schön gestern Abend Jetzt stehen wir hier fast am schönsten Plätzchen Das ist das touristische Zentrum von Bamberg Die Musik hast du auch organisiert? – Hab ich auch organisiert Es entdecken immer mehr Filmteams, dass Bamberg eine schöne Stadt ist So haben wir immer mehr Filmteams da und so wird das Alte Rathaus gesperrt dafür Das ist die berühmteste Stadtansicht Bambergs Diese Brückchen und dieses bunte Gemälde? Das verbinden sehr viele Leute mit Bamberg Es ist auch schön, es steht mitten im Fluss Hier rauscht es überall, vorne, hinten Dann diese bunte Fassade Schön anzuschauen Wo gehen wir hin? – Jetzt gehen wir in die Bergstadt * Musik * Bamberg musste im Zweiten Weltkrieg nur 2 Luftangriffe überstehen Deshalb ist fast die ganze alte Bausubstanz so prächtig erhalten * Musik * So, das ist das Pfahlplätzchen – Das ist aber schön Ich finde auch, das ist ein sehr schöner Ort Das hübsche Ringvogelhaus stammt original aus dem 16. Jh

Aber David findet das Haus gegenüber viel interessanter Der Philosoph Hegel hat hier ein Jahr lang gewohnt Der Hegel? Der Hegel hats nicht lang ausgehalten hier in Bamberg Ich kanns mir nicht erklären, aber nach einem Jahr hat er die Sachen gepackt und ist weitergezogen Vielleicht war er kein Biertrinker Dann hat mans schon schwer – Das stimmt, besonders in Bamberg Wir streifen auch noch die Filmkulisse, wo das kleine, freche Sams gewohnt hat Sein Schöpfer Paul Maar ist überzeugter Bamberger Und bestimmt auch Biertrinker 1907 gabs den Bamberger Bierkrieg Da wurde der Bierpreis um einen Pfennig angehoben und da haben die Bamberger gesagt, nein, das darf nicht sein Die haben bestimmt gesagt “na” – “Na” haben sie gesagt Dann haben die aufgehört, Bamberger Bier zu trinken und haben das Bier aus Pforzheim importiert Es hat nur ein paar Tage gedauert, und der Bierpreis war wieder unten Wenn es dem Franken wichtig ist und direkt betrifft, dann kann er auch mal auf den Tisch hauen Ansonsten sind wir eigentlich: Passt schon alles Also jetzt ist wirklich ein Bier dran Und weiter gehts mit der Landes- und Volkskunde Der Franke ist jemand, der sagt, joa, wir sind Das war schon immer so Andererseits ist der Franke so ein Mischwesen Der hat sich immer auf Veränderungen einstellen müssen Den Franken an sich gibt es nicht Es hat einen Bayreuther gegeben, einen Bamberger, Würzburger, Ansbacher, Nürnberger, sonst was Deswegen haben die Bayern uns auch so leicht einkassieren können vor 200 Jahren Weil kein Anführer da war – Es gab keine gemeinsame Stimme Und deswegen glaube ich auch, dass der Franke sehr flexibel ist, weil er nicht so greifbar ist David gibt mir noch den Tipp, das legendäre Bamberger Gärtnerviertel zu besichtigen, ein nicht unwichtiger Teil des Unesco-Weltkulturerbes Hier kann man an Gärtnereiführungen teilnehmen Seit dem 17. Jh. gibt es an dieser Stelle Gartenbaubetriebe Sie existieren tatsächlich immer noch, mitten im Stadtzentrum Auch heute ist man noch stolz auf die vielen besonderen Gemüsesorten, die die Bamberger Gärtner berühmt gemacht haben Das ist Bamberger Spitzwirsing, mit dem halten wir uns aufrecht, sag ich ganz ehrlich, das ist unsere große Stärke Sebastian Niedermaier ist einer der jüngsten Gärtner hier Und der 1., der alles rein biologisch anbaut Neben den Gemüsesamen, die man sogar früher nach Holland verkaufte, war das “Süßholz” ein echter Bamberger Star Es hat als Medizinalpflanze die Leute hier reich gemacht Sebastian Niedermaier pflanzt es immer noch an Kaum zu glauben, wie mühselig die Ernte der damals so kostbaren Wurzel ist * Musik * Es dauert ein bisschen Schmeckt erst bisschen wie eine rohe Kartoffel Und dann pappsüß Jetzt kommt es ganz süß – Wie Süßstoff Aber wie süß Ach du liebe Zeit Echt, wie wenn man so ne Süßstofftablette lutscht Irre, oder? Napoleon soll immer ein kleines Täschchen dabei gehabt haben, damit er ein paar Stangen Süßholz dabei hatte und immer geknabbert Wachsen tut man davon nicht? – Überhaupt nicht Aber man kriegt vielleicht ewiges Leben, Macht? Es ist gut für den Darm – Ist auch in Ordnung Der Kleine hat Stress gehabt viel, dann war das gut zum Beruhigen Gib mir noch ein Stück, ich bin beim Fernsehen Ich brauch gute Nerven So was Gesundes und Leckeres kommt auch in den Rucksack Ich muss es mal sagen, die Landstraßen sind einfach perfekt geschwungen Motorradfahren in der Fränkischen Schweiz macht richtig Spaß Meine Route heute: Rund 50 km von Bamberg über Tüchersfeld nach Pottenstein * Musik * Hallo Mina? – Andrea?

Jetzt hör ich dich Wir drehen in der Fränkischen Ich wollt dich fragen, ob du morgen Lust hast, mit uns in die Teufelshöhle zu gehen, in Pottenstein Morgen? – Ja, genau Und wohin? – Pottenstein “Boddensta” Ja klar, das geht, um 4 bin ich da, ich bring die Kinder mit Okay, bis morgen Sieht komisch aus Ich erklär es Ihnen Die Fränkische Schweiz hat alles, nur kein Netz Nicht oft, sagen wir mal so Es ist ein Geheimtipp, den wir bekommen haben, dass man an einem Verkehrsschild den Empfang verstärken kann Dann kann man telefonieren, kurz Eigentlich ist es schön, gar nicht erreichbar zu sein Die perfekte Gegend für Entschleunigung Woanders zahlen sie dafür viel Geld Jetzt erreiche ich Pottenstein Von hier aus, in dieser traumhaft bizarren Felslandschaft, kann man wunderbar wandern Aber es gibt auch jede Menge andere Vergnügungen Deswegen ist der Ort zurzeit das Ausflugsziel Nr. 1 in der Fränkischen Schweiz * Musik * Jetzt werde ich gleich was machen, was ich noch nie gemacht habe Ziemlich schnelle Angelegenheit Und auf jeden Fall ein Abenteuer * Musik * Sie denken, jetzt wirds laut Nix da Elektro-Kart Man hört nichts * Musik * Sehr cool Irgendwie hört man fast nichts Meine Hände tun mir total weh Die bleiben jetzt so bis morgen Es macht echt viel Spaß Als ich das 1. Mal gerammt worden bin, hab ich mich richtig erschrocken Ich war auch empört, muss ich sagen Aber man gewöhnt sich an den Umgang Die Pottensteiner Elektro-Gokart und Segway-Anlage ist übrigens solarbetrieben * Weckerklingeln * Komm her Heute werden bei Roland und Andrea Mirabellen geerntet Also besser wie jetzt gehen sie nicht Am Nachmittag fahre ich noch mal nach Pottenstein Denn ich hatte mich ja mit meiner Schwester und ihren beiden Töchtern verabredet Hochaufragende Felsformationen rahmen das idyllische Städtchen ein Oben rechts auf dem Felsen steht die alte Burg Da will ich jetzt hin Ein bisschen unscheinbar, dafür aber richtig alt Erbaut 1057 ist sie die älteste ihrer Art in der Region Es lohnt sich reinzugehen

Denn die Inneneinrichtung ist hübsch und der Blick ins Tal einfach schön Nur 2 km von hier entfernt liegt ein weiterer Ausflugsmagnet: Die Teufelshöhle Mindestens einmal im Leben ist da jedes fränkische Kind mal reingeführt worden Nur meine beiden Nichten noch nicht Aber das ändert sich jetzt Die beiden sind mit meiner Schwester schon auf dem Weg Sie werden nur gerade noch ein bisschen aufgehalten Wie schön Ist der riesig Meine Mädels Hallo – Hallo Wie schön, dass ihr Zeit habt Hallo Hi – Hi, grüß dich Super, dass das klappt, dann gehen wir rein Hier waren wir noch nicht In der Höhle waren wir noch nicht zusammen Aber in der Nähe von Pottenstein waren wir schon zusammen Boddensta heißt es hier Oder einen Motorradausflug haben wir gemacht in die Nähe Das stimmt Waren wir öfter unterwegs in der Fränkischen In der Pottensteiner Teufelshöhle kann man 1,7 km spazieren gehen und Tropfsteingewächse angucken 140.000 Besucher tun das jedes Jahr Damit ist die Höhle die besucherstärkste in ganz Europa Das verzweigte Stollensystem mit dem reichen Tropfsteinschmuck wurde erst 1922 entdeckt Vorher kannte man nur das Eingangsportal, das immer schon Teufelsloch genannt wurde Manchmal wirds ganz schön eng, und man muss aufpassen, die Stalagmiten und Stalaktiten nicht zu berühren Aber es lohnt sich Weiter hinten erwarten einen die wilden Tiere Wir sind jetzt hier bei den Höhlenbären Da braucht ihr keine Angst vor der Bären haben, die sind schon seit 30.000 Jahren tot Die hätten euch nichts getan, die haben kein Fleisch gegessen, die waren richtige Vegetarier Haben sich von Kräutern und Pflanzen ernährt Aber wieso haben die vorne so große Zähne? Um sich zu verteidigen gegen andere Fressfeinde Es gab damals auch Wölfe, und sogar Löwen gab es in der Gegend Um ihr Revier zu verteidigen, haben die vorn die Zähne drinnen gehabt Es gab Löwen in der Fränkischen Schweiz? – Ja, Höhlenlöwen Wieder was gelernt Außer Bären und Löwen soll sich in der Pottensteiner Teufelshöhle auch mal das berühmte Bernsteinzimmer befunden haben Man hat es vor einigen Jahrzehnten dort sogar ernsthaft gesucht Na ja Jetzt hat es fast aufgehört zu regnen Guck mal da, diese Steine Danke schön Es ist auseinandergebrochen Ich fand die auch gruselig – Die Haufen mit den Knochen Ich auch Beim Butterbrot haben wir die Höhlenbären diskutiert Jetzt versuchen wir, den Kindern zu erklären, dass hier vor unendlich langer Zeit mal nur Wasser gewesen ist Vor 150 Mio. Jahren wären wir hier auf dem Meeresboden spazieren gefahren, zwischen Fischen, Muscheln und Krebstieren Klar, so was erzählt man nicht ohne Grund Denn wir fahren nun zum Geozentrum auf der Hohenmirsberger Platte, um Fossilien zu klopfen Hallo – Hallo Oh, der Ofen Das ist doch der beste Platz Da rennt doch jeder sofort hin, oder? – So ist es Eigentlich wollen wir klopfen Was müssen wir tun? Einmal müssen Sie sich eintragen da Den Namen und den Ort und die Personenzahl reinschreiben Dann bekommen Sie die Ausrüstung

Brauchen wir die unbedingt? – Ja, das ist wichtig Gewisse Sachen sind gefährlich, und ohne Brille darf niemand rein Wenn Sie Glück haben, können Sie über 30 Fossilienhaufen finden Über 30? – Ja Für unsere Schätze bekommt jeder eine Tüte Der Hammer hat 2 Seiten Die Spitze ist zum? – Rausziehen Und die Flachseite ist zum? – Aufschaufeln. – Genau Wenn die Steine voll Schlamm sind, weil das ist Kalkstein und man kann nichts erkennen, was muss man machen? – Abwaschen * Musik * Wow – Ein Ammonit. Noch ein Ammonit Und noch einer Seht ihr die Farbe da? Die ist 150 Mio. Jahre alt Alle Fossilien, die man hier findet, darf man behalten Die Fränkische Schweiz, sagt unser Fossilienführer, ist wirklich voll davon Am leichtesten findet man die Ammoniten, die Urkopffüßler, die in Schalen steckten Jetzt bin ich ein bisschen neidisch, weil Sie draufhauen und die schönsten Dinger finden Wie lang machen Sie das? – Ich mach das 30 Jahre Bleiben wir noch ein bisschen hier Dann haben wir uns so richtig festgegraben Fossilienklopfen ist ein bisschen wie Schatzsuche Und weil man dauernd was findet, will man gar nicht mehr damit aufhören Da ist auch eine Große drinnen Unser Fossilienführer hat natürlich wieder den Vogel abgeschossen Er hat den Stachel einer urzeitlichen Riesenkrake gefunden Ich bin aber auch ganz stolz Denn die Ammoniten, die ich rausgeklopft habe, können sich wirklich sehen lassen Und dieses Fundstück aus der Urzeit kommt jetzt für Sie in den Rucksack Ein Regenschauer beendet unseren schönen Nachmittag Und das, was ich mir jetzt noch schnell ansehen will, ist für meine kleinen Nichten weniger geeignet Mama, das hat mir die Andrea geschenkt Meine Schwester fährt mich ins Stadtzentrum von Pottenstein Das war schön – Das war super Pass gut auf die Steine auf – Ja, die sind so schön Ach, das ist es schon Höhle war auch klasse, schön, dass es geklappt hat Danke fürs Fahren – Gerne Ciao – Bis dann Ciao Mädels Tschüs – Tschüs Ciao – Tschüs Da ist es, das furchterregende Haus Im Scharfrichtermuseum erfährt man, dass die sonst eher ruhigen Franken im Mittelalter auch ganz schön grausam sein konnten In 4 Räumen wird eindrucksvoll erklärt, wie früher Verbrecher bestraft und die großen und kleinen Sünder gemaßregelt wurden So sah eine mittelalterliche Streckbank aus Ebenfalls zur Wahrheitsfindung geeignet erschienen Daumenschrauben und Spanischer Stiefel, die den Knochen aber nur wehtun, sie aber nicht brechen sollten Bei all den Folterinstrumenten kommt man ganz schön ins Grübeln, was die menschliche Grausamkeit angeht Das ist gewollt Das Scharfrichtermuseum lohnt einen Besuch, nicht nur an Regentagen Beim Rausgehen erblickt man ehrfurchtsvoll die alte Burg Pottenstein von unten Ich könnte dorthin auch in 15 min laufen, aber ich habe ja meinen fahrbaren Untersatz dabei Diesmal will ich den alten Kasten aber nicht besichtigen Ich habe den heißen Tipp bekommen, dass es darin eine Ferienwohnung gibt, die man buchen kann Hier schlafe ich heute Nacht, auf einer richtigen Burg Sind die Stufen niedrig, da brauch ich ja 100 Jahre

Man weiß gar nicht, was man machen soll 2 auf einmal sind dann wieder zu viel Kölner Dom ist nichts dagegen Die Burg ist übrigens in Familienbesitz Freifrau von Wintzingerode schließt persönlich die Ferienwohnung auf, die sich genau über den Ausstellungsräumen befindet Das 1., was ich sehe, sind Waffen Mein Schlosszimmer, ein Turmzimmer * Musik * Ich bin in einer ganz besonderen Stimmung, auf der Burg, beim Sonnenuntergang Am nächsten Morgen, ganz früh, als die Nebel steigen, mache ich mich auf zum nächsten fränkischen Abenteuer * Musik * Noch mal gehts an die Wiesent Diesmal wird aber nicht gepaddelt Ich bin mit 2 Männern verabredet, die nur eines im Sinn haben Sie werden sehen * Musik * Ich geh jetzt angeln, Fliegenfischen sogar Das ist so mit mir und dem Angeln: Ich sitz seit vielen Jahren neben meinem Sohn, der angelt Hab das oft miterlebt, hab selber aber noch nie einen Fisch rausgezogen Wenn man dann einen rauszieht, dann sind sie oft zu klein, dann muss man sie wieder reinsetzen Es ist ein Geduldsspiel Fliegenfischen ist auch künstlerisch Hab ich an der Ahr mal probiert, vielleicht haben Sie es gesehen Einen Fisch habe ich auch nicht rausgeholt Wir wollen mal sehen, ich geb alles Beim Fliegenfischen steht man meistens mitten im Wasser Das Prinzip: Die Köder ähneln genau den Insekten, die jahreszeitlich in der Natur auch vorkommen * Musik * Die haben gesagt, diese Stiefel reichen mir Man geht sowieso nicht tiefer ins Wasser Wenn man hinfällt, ja schon Ohne Geländer Hier ist auf jeden Fall was, was man essen kann Falls wir nichts angeln Aber ich hab ja die Profis dabei Brunnenkresse ist das Ja Mit diesen kunstvollen Schwüngen werden die Fliegenköder auf der Wasseroberfläche platziert Wie lange stehst du im Schnitt, bis du was fängst? Manchmal 2 min, manchmal 2 h – 2 h 2 h Also, du bist ein geduldiger Mensch? Beim Fischen braucht man sowieso Geduld Kann ich es denn mal probieren? – Natürlich Ich hab es schon mal probiert an der Ahr Man hat mir Talent bescheinigt, vielleicht waren die nur höflich Mal gucken, was du jetzt sagst Also? – Können wir gerne probieren Talent ist das eine, Geduld das andere. – Ja Dann schwenk mal Nicht ganz so weit nach hinten Nein, nicht ganz so weit nach hinten So? Die Schnur muss sich immer spannen Schaut euch das an Während wir die Schnur entwirren, erzählt mir Björn, dass für den Fischreichtum in der Wiesent heftig gearbeitet wird In der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß gibt es riesige Aufzuchtbecken mit Jungfischen, die aus künstlich befruchteten Eiern geschlüpft sind

Diese Fische werden später im Fluss ausgesetzt Das Ganze nennt sich Artenschutz Die Lehranstalt gibt es seit 1980 Ich hab heut wieder einige zurück Man bemüht sich hier um die heimischen Arten Und v.a. auch um die Äsche, die besonders empfindlich ist, weil sie auf hohe Wasserqualität und geeignete Temperaturen angewiesen ist Ronny Seifried und Thomas Speierl bringen gerade einen Bottich voll Bachforellen zum Flüsschen Aufseß, das später in die Wiesent mündet Die anderen net ganz so stark * Musik * Unsere heimischen Bachforellen, fränkischer Stamm aus dem Main-System, speziell aus der Fränkischen Schweiz, sind auffällig aufgrund ihrer schönen Musterung Das rote Tupfenmuster ist sehr auffällig, ganz charakteristisch Eigentlich ein sehr robuster Fisch Im Gegensatz dazu unsere heimischen Äschen Die wir gerne als die Diva bezeichnen, sehr empfindlich Sodass wir zufrieden sind, wenn wir relativ guten Bruterfolg hinkriegen Und für unsere heimischen Gewässer was tun können * Musik * Haben wir eine? – Ja Jetzt haben wir wirklich einen Fisch Sogar einen schönen Siehst du das schon? – Ja Bin ich zu schnell? Halt, stopp, so Einfach abziehen – Und jetzt? Den Kescher ins Wasser und unter den Fisch Jawohl, prima Wir haben eine Forelle Es tut mir leid, Fisch Aber schön schaut sie aus Wunderschön mit den roten Punkten – Ja Das ist der mir empfohlene Fischtragegriff D.h. man kann maximal 10 Fische an 2 Händen tragen An jedem Finger eine * Musik * Wir haben an dem Tag doch noch einiges gefangen, aber nicht, um die Fische selbst zu essen Ich fahre damit an einen wirklich sehr schönen Ort mitten im Wandergebiet * Musik * Das Haus von Marga Linhard liegt unglaublich idyllisch Im Forsthaus Schweigelberg kann man am Wochenende einkehren, um sich zu stärken Marga ist Anhängerin der Slowfood-Bewegung Vieles, was sie auf den Teller bringt, baut sie selbst an Ja, komm her So ist mein braves Mädele Marga und ihr Hund Tosca warten schon auf mich und die Forellen Hallo Marga Guck mal, was ich hab Grüß dich – Forellen, toll Mit Profigriff, super – Haben sie mir gezeigt Hast du die schon gewaschen? – Nein Geh mal rüber Einfach mit kaltem Wasser? Halt, du brauchst noch eine Schürze Danke schön. Besser ist es Ich mach das zu – Danke schön Abgehauen Schon eine Kunst, so glitschig, wie die sind. – Ja Die wollen abhauen Ich hab sie am liebsten als Mandelforelle Das ist eine Spezialität, ist aber ein bisschen schwieriger zum Braten Man darf die Mandeln nicht verbrennen und sie müssen hängenbleiben Ich sag dir nachher, was da für ein Trick dabei ist, was man machen muss – Gut, legen wir los Legen wir los Zunächst füllen wir die Fische mit Salbei Dann wird Eiweiß leicht aufgeschlagen,

damit die Mandelblätter am Fisch halten Es gibt gehopste Kartoffeln – Gehopst? Das sind Pellkartoffeln, die müssen noch heiß sein und heiß geschält, so wie jetzt Dann werden die in der Pfanne in Butter noch mal hopsen gelassen Bin gespannt, wie die hopsen Ich zieh sie jetzt durch das Eiweiß Es darf auch ein bisschen abfließen Dann werden wir sehen, jawohl, sie bleiben pappen Schön Jetzt kommen die in die Pfanne * Musik * Die sind echt rutschig, muss man ganz schön aufpassen Das macht die Frische aus – Darf nicht runterfallen Eine alte Forelle rutscht nicht mehr so. – Echt? – Nee Es ist ein Qualitätsmerkmal Es hat geklappt Was noch fehlt, kann man nachhelfen Jetzt müssen wir die Hitze gleich reduzieren Sie müssen langsam garen, sonst verbrennen die Mandeln Dann ist der Effekt weg Ein bisschen Brunnenkresse habe ich auch mitgebracht Die verarbeiten wir zu einem Pesto mit Olivenöl, Pinienkernen und Knoblauch Warum wölbt sich der Schwanz nach oben? – Weil sie so frisch sind Eine Forelle biegt sich dann, wenn sie ganz frisch ist * Musik * Ganz vorsichtig beim Wenden Sonst fallen die Mandeln ab Die Kombination der Mandelforelle mit dem Brunnenkresse-Pesto gefällt mir Dazu die einfachen Butterkartoffeln Das ist alles relativ schnell gemacht * Musik * Jawohl Köstlich. Bist du zufrieden? Du hast den Vergleich, ich hab noch nie Mandelforelle gegessen Wie schmeckt sie dir? – Sehr gut Die Kombination finde ich traumhaft Dieses Mandelige, dieser wirklich zarte Fisch, diese Kartoffeln mit diesem leicht scharfen Pesto, ganz lecker Gut, kann man wieder machen Kochen macht ja bekanntlich satt Deshalb kann ich gleich losfahren in Richtung Fränkischer Wald Von Marga habe ich den Tipp, an einer ganz besonderen Wanderung teilzunehmen * Musik * Margas Freundin Rosa ist schon im Anmarsch Nachher haben wir noch 2 positive Tore, wo wir den Alltagsgrauschleier abstreifen können Sehr gut Wir sind zu zwölft und gespannt auf die keltische Vergangenheit der Region Es wird übersinnlich Das Tor zur Anderswelt bitte in Ruhe lassen Nicht stören Rosa legt Runen Hier gibt es uralte heilige Orte, sagt sie uns Kraftorte, ehemalige Kultstätten der Druiden Die Druiden waren die Waisen der Kelten Die geistige Elite Und mit Sicherheit gab es hier welche, weil es geomantisch ein interessanter Platz ist Und man hier den Göttern näher war Aber auf Rosas Wanderungen geht es weit über die bloßen Erzählungen hinaus Sie ist fest davon überzeugt, dass die alten Kräfte heute noch wirksam sind Man kann sie nutzen Sie zeigt uns wie Wir gelangen an einen unscheinbaren Felsen, der unten ein Loch hat Man muss nichts Spezielles tun oder denken, man kriecht einfach durch Durch das Tun streift man ein bisschen von diesem Alltagskram ab Am Besten wäre es, man würde es einmal pro Woche machen

Das setzt voraus, dass man Zeit hat, und dann hat man nicht so viel Alltagskram am Hals Es darf gekrochen werden, mir nach * Musik * Alle wollens probieren (lacht) Vorwäsche * Musik * Es sind gleich mehrere Felsspalten, durch die wir durchkrabbeln * Musik * Das ist die letzte Ich bleibe stecken Schon mal jemand steckengeblieben, Rosa? – Nee, noch nie Ich mach doch auch Höhlenführungen, dadurch hab ich Übung und Augenmaß Geschafft Ich würd schon denken, dass es hilft, muss ich sagen Vielleicht ist man auch nur froh, dass man raus ist Wow Ja Gut Vollständig befreit verlasse ich Muggendorf und fahre entlang der Wiesent nach Wonsees Jetzt wirds Rokoko * Musik * So. Sanspareil (spricht Fränkisch) Sansparail, wie der Franke sagt * Musik * Bevor ich das Schloß der Lieblingsschwester Friedrich des Großen besichtige, will ich mich erst mal ein bisschen einlesen Wilhemine, so hieß sie, wäre eigentlich fast englische Königin geworden Aber ihr Vater hat es sich plötzlich anders überlegt und hat sie kurzerhand 1731 mit dem Markgrafen von Bayreuth verheiratet * Musik * Schön, grüß Gott Herzlich Willkommen in Sanspareil “Sans pareil” heißt ohnegleichen So schön soll Wilhelmine diesen Ort gefunden haben Man sprach ja damals französisch in adeligen Kreisen Sie haben vermutlich zu Hause bei sich in der Wohnstube keine Buche, wenn ich das richtig annehmen darf Machen wir hier mal die Tür auf Wilhelmine von Bayreuth hatte eine Ihr Lustschloss ist um eine Buche herum gebaut Schön, so ein Blätterdach Wilhelmine war mit diesem Sinn für Natur ihrer Zeit voraus Aber sie hatte auch etwas für Kunst über Ihr Lustschloss ist voller Gemälde Besonders amüsant sind die “Chinoiserien” Das sind chinesische Darstellungen, die damals groß in Mode waren Wenn man genau hinguckt, erkennt man, dass die Maler unterschiedlich gut über China informiert waren Der hier hatte z.B. wahrscheinlich noch nie einen Chinesen gesehen Die Menschen sehen aus wie verkleidete Franken und chinesische Tempel haben fränkische Kirchturmspitzen Der Kunsthistoriker Heinrich Junghanns zeigt mir, dass der Maler gegenüber wesentlich mehr über die chinesische Kultur wusste Chinesen sehen mehr wie Chinesen aus und werden landeskundlich passend auf Sänften getragen * Musik * Das kleine Lustschloss ist wirklich nett Beim Rausgehen bekomme ich noch den Tipp, den “Felsengarten” zu besichtigen Der Felsengarten ist ein Park,

in dem die natürlichen Steinformationen mit zur Gestaltung gehören Er liegt direkt neben dem Lustschloss Wilhelmine hat sich mit diesem Landschaftsgarten als Romantikerin geoutet Diese Art der Naturliebe war eigentlich erst 100 Jahre später dran * Musik * So ein romantischer Landschaftsgarten sieht eben gar nicht künstlich, sondern ganz natürlich aus Und trotzdem ist alles vom Gartenarchitekten genau geplant Ich glaube, ich könnte… Ja Wie groß wird wohl Wilhelmine gewesen sein? Die kleine, aber großartige Wilhelmine, hat sich auch ein Theater bauen lassen, das wie eine antike Ruine aussieht Auf so eine Idee sind vor ihr nicht viele gekommen Nachher schon * Musik * Nicht weit vom Lustschloss Sanspareil entfernt liegt ein noch älteres Gebäude: die Burg Zwernitz, um 1150 auf einen Dolomitfelsen erbaut Eine klassische Wehrburg mit Wachtürmen und Ringmauern 500 Jahre war sie im Besitz der Hohenzollern, bis die Bayern sie übernahmen Diese Burg wurde in Kriegen mehrfach zerstört Erst Wilhelmines Ehegatte ließ sie im 18. Jh wieder instandsetzen Wahnsinn, wie die da draufhängt auf dem Felsen, also thront Kann man sich schon vorstellen, dass es richtig schwer war, so eine Burg einzunehmen Müsste man schon überhangklettern Burg Zwernitz steht an einem strategisch wichtigen Punkt Jedenfalls früher Hier ging die Straße entlang, von der aus von Oberbayern nach Norddeutschland Salz transportiert wurde Von Nürnberg aus wurde nach Krakau in den Osten Vieh und Stoffe gehandelt Die konnten von dieser Burg aus alles kontrollieren * Musik * Ich bin zwar ewig nicht mehr geritten, aber hier packt mich die Lust Die schaut gut aus Willst du ihn selber führen? – Ja Setz dich gut durch, denk einfach, es ist dein Mann Also komm mit Dieser Pferdehof gehört zu den größten offenen Stallhaltungen Bayerns Ihr habt hier verschiedene Pferde, wie kommen die zusammen? Es sind verschiedene Pferde, da hast du recht Vom Mini-Pony bis zum Noriker steht hier alles Die haben alle so ihre Geschichte Viele sind hier geboren Manche sind durch den Schlachthof zu uns gekommen Es gibt auch Scheidungsponys hier, die nicht mehr gebraucht wurden Weil die Leute sich getrennt haben Dann werden wir angerufen – Du kannst nicht Nein sagen? Oft kann ich nicht Nein sagen D.h. 70 Pferde, geplant waren vielleicht 20 oder was? – Genau Als ich hierherkam, hatten wir 15 Pferde Jetzt haben wir 73 * Musik * Wer hier übernachten will: Bitte sehr Ach schön So, Andrea, das ist unser Bettenlager Die weibliche Welt schläft hier unterm Dach, die Jungs unten im Bauwagen Sonja Hofmann macht diesen Job nur nebenberuflich, erzählt sie mir Pferde haben ihr in ihrem Leben mal sehr weitergeholfen Jetzt satteln wir den Filou mal, weil, du willst ja reiten

Ihr sitzt ja auf nem Esel, wie schön Toll Tor frei, bitte Kannst rausgehen – Alles gut Wir gehen rein? Na komm Gut Du musst dich jetzt hier hinstellen, damit die Madame in ihrer engen Jeans auf das Pferd kommt Da hat jemand an alles gedacht Gehts? – Ja Ich führ dich, glaub ich, ein bisschen Schau mal den schönen Ausblick Alles gut, geh mal zu Michael, schau * Musik * Neben diesem Reitplatz beginnt ein wundervolles Gebiet für Ausritte, Spaziergänge mit dem Pony und Kutschfahrten Gut machst du das, gut * Musik * Für ihre Offenstallhaltung haben Sonja und ihr Mann Peter schon einen Preis für artgerechte Haltung bekommen * Musik * * Weckerklingeln * Mein letzter Tag bei den Birnen Heut Abend ist die Kerwa, Kirchweih Und ich bin vorher mit einer berühmten Trachtenmacherin im Örtchen Kunreuth, ganz in der Nähe, verabredet So sieht ein modernes Trachtenatelier aus * Musik * Und diese beiden Damen wissen genau, wovon sie reden Die historischen Trachten werden genau studiert und mit modernen Mitteln umgesetzt * Musik * Dagmar Rosenbauer hat das Atelier 1979 gegründet Ich such was Schönes aus und diese Brosche kommt auf jeden Fall schon mal in den Rucksack Auch Männer lieben Trachten, fränkische Trachten Besonders vor der Kerwa Das gehört dazu, das ist einfach von früher her Das gehört einfach zum Wie die Lederhose in Oberbayern ist hier die Tracht in Franken Das ist ganz normal Draußen gehts schon los, mit dem Oberehrenbacher Kerwa-Fest Ich dagegen bin hin und weg im Stoffparadies Was für Farben und Muster Trachten werden maßgeschneidert Bis eine fertig ist, vergehen mehrere Wochen Das ist eine typische Farbkombination mit dem Grün und Pink Das habe ich extra nachweben lassen Das war ganz traditionell und ist eine schöne Farbe, find ich Für Schürzen ist das Für Tanztracht, Kerwas-Tracht Für junge Mädchen, aber inzwischen: Alle wollen farbenfroh Ist momentan Mode Woher kommt diese neue Lust an den Trachten, an Traditionen auch? Witzigerweise vom Oktoberfest-Dirndl Die Leute gehen aufs Annafest, auf Kirmes, Kerwa, wie es heißt Da hängt es, ich hab es gesehen Da war ich auch schon Man kauft sich hippe Oktoberfest-Dirndl, manchmal auch die günstigen Pakistani-Dirndl für 49,95 Euro aus dem Sonderangebot Nach ein paar Jahren fragen sich die Leute, gibt es nicht was von da?

Wir sind nicht in München, gibt es nicht was Eigenes? Die landen früher oder später bei mir hier, hinterfragen das, lassen sich beraten und haben Lust auf typische, höherwertige Tracht, auch von der Verarbeitung, ist ja Handarbeit Wir haben versucht, dass es nicht die vielen Unterröcke hat wie früher und bisschen mehr Dekolleté Bisschen schick, peppig auch Trotzdem das Typische, vom Schnitt her, von den Farben her Vielleicht mach ich das auch Ein Dirndl hab ich schon Da fühl ich mich schon sehr wohl drin Du kommst auch aus Franken So eine fränkische Tracht wäre was ganz anderes Sieht sehr schön aus Achtung Jetzt wird der Kerwas-Baum aufgestellt Das macht jede Gemeinde und ist jedes Jahr ein Spektakel Über 260 Kerwa-Feste gibt es zwischen April und Oktober in der Fränkischen Jedes Wochenende ist irgendwo was los Wo willst du denn hin? Meine Familie ist auch gekommen und viele andere aus unserem Film * Musik * Grüß dich – Das war voll schön (rufen) Langsam schieben * Musik * (rufen) Toll, sieht klasse aus Schau mal, was ich dir mitgebracht hab Einen Birnenlikör von der Williams-Birne Das ist was Besonderes, ne? – Ja, stimmt Schnaps kann jeder, ihr macht Likör – Genau Das ist aus den Birnen, die ich bei euch geerntet hab Ja. Wir waren heut Nacht noch ganz fleißig Klasse, super Kommt in den Rucksack, herzlichen Dank Es war ein schönes Erlebnis – Für uns auch Wo mein Papa in den Birnen Da ist er Apropos, um die Stimme zu ölen – Danke schön Ich wollte eigentlich den Rucksack auspacken, aber man kann auf der Kerwa keinen Rucksack auspacken Sie haben sich bestimmt gemerkt, was drin ist, ich sag Prost Schön, dass ihr alle da wart Schön, dass Sie alle da waren Und bis zum nächsten Mal Tschüs, Servus, ade * Musik * Copyright WDR 2018