Vom künstlichen See zum Naturparadies | Abenteuer Erde | WDR

In Sachen Talsperren ist Nordrhein-Westfalen Weltmeister In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Stauseen Manche unterscheidet auf den 1. Blick nur die Staumauer von natürlichen Gewässern Sie haben sich zu wahren Naturparadiesen entwickelt Ihr Tierreichtum steht dem natürlicher Seen kaum nach Doch stellen Stauseen ihre tierischen Bewohner vor besondere Herausforderungen, die nicht jeder zu meistern versteht Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR * Musik * Dank ihrer 3 Täler gehört die Aggertalsperre im Oberbergischen Land wohl zu den Schönsten V.a. im Rengsetal, das nahezu unbesiedelt ist, findet der giftige Fingerhut noch Raum Dabei hält er sich etwas vom Ufer entfernt Denn Überflutungen, wie sie bei Stauseen die Regel sind, verträgt er nicht In den stillen Buchten kann man fast vergessen, dass die Aggertalsperre ein See aus 2. Hand ist Doch er entstand im Jahr 1929 aus rein wirtschaftlichen Gründen Als Strom und Brauchwasserlieferant Das hinderte Wasservögel nicht daran, ihn zu erobern Genügsame Arten wie Stockenten sind so anpassungsfähig, dass sie sich auf wechselnde Wasserstände einstellen Wenn die Ufervegetation überspült wird, können sie auch von Unterwasserpflanzen satt werden Für die Jungen ist der Mäusebussard, der Vögel in der Regel nur tot aufgreift, keine Gefahr Er nutzt die Thermik, um zur nahegelegenen Genkeltalsperre zu segeln Der Sperber hingegen, der an ihrem Ufer brütet, ist ein äußerst geschickter Vogeljäger Während der Aufzucht versorgt das kleinere Männchen die Familie mit Nahrung Das größere Weibchen zerteilt die Beute für die Jungen Ein Stockwerk tiefer eine weitere Kinderstube Wildschweine lieben Schlamm, den ihnen Stauseen mit ihren wechselnden Wasserständen liefern * Musik * 300 bis 360 Talsperren liegen, je nach Definition, in Deutschland Im dichtbesiedelten NRW ist der Bedarf an Trinkwasser und Energieerzeugung besonders hoch Das Bundesland ist mit über 65 Talsperren Spitzenreiter Nirgendwo sonst gibt es eine Region mit derart vielen Stauseen auf engem Raum Die Älteste ist die über 130 Jahre alte Eschbachtalsperre bei Remscheid Anders als Naturseen friert sie nicht von außen nach innen, sondern umgekehrt zu Wegen der wechselnden Wasserstände bleiben die Ufer oder ganze Buchten meist eisfrei Deshalb ist sie für Stockenten und andere Wasservögel im Winter ideal Denn in den flachen Uferregionen kommen die Tiere leichter an Wasserpflanzen Landschaftsidyll und Landschaftszerstörung liegen im dichtbesiedelten NRW allerdings oft dicht beieinander Täglich rauschen über die A 1 Zehntausende Autos an der Eschbachtalsperre vorbei Ganz ähnlich ist die Situation an NRWs jüngstem Stausee, der nur 11 km entfernten Wuppertalsperre Sie wurde 1989 in Betrieb genommen Damit ist sie fast 100 Jahre jünger als die Eschbachtalsperre Außer der Wupper münden auch kleinere Bäche in den See In den kalten Monaten sind deren eisfreie Mündungen

bei Fischjägern wie dem Eisvogel sehr beliebt Der fliegende Edelstein, wie er gern genannt wird, ist auf solche Stellen angewiesen An Gewässern, die komplett zufrieren und die Fische unter Eis verbergen, verhungert er In der Nähe von Stauseen haben die Vögel gute Überlebenschancen * Musik * In den Bäumen ringsum beginnt im März die Balz der Graureiher Auch sie brauchen, wie der Eisvogel, fischreiche und eisfreie Gewässer, um durch den Winter zu kommen Dass Stauseen weit mehr sein können als reine Wirtschaftsgewässer, zeigt NRWs kleinster Stausee Seit den 1950er-Jahren wird die Ronsdorfer Talsperre bei Wuppertal nicht mehr als Trinkwasserspeicher genutzt Doch sie war so beliebt, dass sich Einheimische für ihren Erhalt einsetzten Heute ist sie sowohl Kulturdenkmal als auch Naturschutzgebiet Im zeitigen Frühjahr machen abends oft Hunderttausende von Bergfinken auf ihrem Zug nach Skandinavien Pause Das lockt selbst seltene Nachtjäger wie den Uhu an Im Schwarm sind die kleinen Vögel gut geschützt, denn die schiere Masse verwirrt Angreifer Der Sperber wartet deshalb, bis sich die Finken niederlassen * Musik * Der wendige Greifvogel versteht es geschickt, selbst im dichten Astgewirr zu jagen * Musik * Wenig später lässt sich an der Oleftalsperre in der Eifel ebenfalls ein Naturschauspiel beobachten Der Stausee dient nicht nur der Trinkwassergewinnung, sondern auch dem Hochwasserschutz der umliegenden Gemeinden Das feuchtmilde Atlantikklima sorgt dort für hohe Niederschläge Die Mündungsbäche der Talsperre führen reichlich Wasser An ihren Ufern bilden wilde Schneeglöckchen, die es gerne feucht haben, große Teppiche Besonders bekannt ist die Region allerdings für ihre Narzissen Schon im April schmücken sie die Ufer der Olef an deren Mündung in den Stausee Hier wachsen Tausende dieser Blumen Der Urform der beliebten Osterglocken Damit niemand in Versuchung kommt, sich einen Strauß davon zu pflücken, stehen sie, wie das gesamte Oleftal, unter Schutz Solange die Bäume noch keine Blätter tragen, bekommen die Blumen ausreichend Licht Das ändert sich schlagartig, wenn sich die Blätter entfalten Deshalb werden Jungbäume konsequent aus den Uferwiesen entfernt Davon profitieren auch die Buschwindröschen Die überall aufkeimenden Pflanzen sind nach dem langen Winter ein Schmaus für die Wildschweine (grunzen) Die Rotte ist den jungen Füchsen nicht geheuer Zwar sind Wildschweine Allesfresser, aber auf Jungfüchse würden sie kaum Jagd machen Trotzdem, Vorsicht ist besser als Nachsicht Im Frühling ist das Wetter, wie hier am Rursee, oft unbeständig Wenige Wochen später, im Sommer, gleicht der Stausee einem riesigen Vergnügungspark Da er nicht der Trinkwasserversorgung dient, darf jeder nach Herzenslust surfen, Boot fahren oder baden Zur Urlaubszeit wird es, wie an vielen Stauseen, eng für Wildtiere An den Ufern bleibt kaum ein ungestörter Platz Die 1938 eröffnete Talsperre ist die größte des Bundeslandes und die zweitgrößte Deutschlands Wie viele große Talsperren besitzt auch der Rurtalsee zur Vorreinigung des Wassers “Vorsperren” Eine davon ist der Obersee

Als er 1952 aufgestaut wurde, zogen ganze Häuser um Sorgfältig abgebrochen und an hochwassersicherer Stelle neu aufgebaut, zeigen sie heute noch den ursprünglichen Dorfcharakter In den alten Gemäuern fühlen sich Vögel wohl, die sich als “Kulturfolger” an vom Menschen gestaltete Landschaften angepasst haben Dennoch kommen auch sie nur dort zurecht, wo sie ausreichend Nahrung und Schlupfwinkel finden In den efeubewachsenen Mauern sind die kleinen Rotkehlchen gut geschützt vor den Blicken des Turmfalken Auch für ihn gibt es in den alten Häusern Schlupfwinkel, wo er seine Jungen großziehen kann Der Turmfalke ist das Paradebeispiel für einen Kulturfolger Er brütete einst in steilen Felswänden Amazonas der Eifel wird der sich durch Wälder schlängelnde Obersee genannt Weil er der Trinkwasserversorgung dient, ist er nicht für Wassersport freigegeben Die Schifffahrt beschränkt sich auf 2 Passagierboote mit Elektromotoren Die Illusion unberührter Natur endet an der nächsten Staumauer Ob Stausee oder Natursee ist für Anpassungskünstler wie Schwäne nicht so entscheidend Doch auch idyllisch gelegene Talsperren wie der Möhnesee im Kreis Soest bleiben künstliche Gebilde Sicher von hohem Freizeitwert, aber Tiere, die sich schwer anpassen, können dort kaum überleben Die gewaltige Staumauer war 1913, als sie fertiggestellt wurde, die größte von ganz Europa Solch imposante Bauwerke verwandeln die Struktur und Dynamik eines Gewässers so grundlegend, dass ein völlig anderes Ökosystem entsteht Was eine Talsperre von einem Natursee unterscheidet, ist v.a der ständig wechselnde Wasserstand Wird der Möhnesee voll aufgestaut, steigt das Wasser um 10 m Seine Fläche wird um fast 1/3 größer Dadurch schlagen die Wellen immer wieder an anderer Stelle ans Ufer und tragen ständig Boden ab Für Uferpflanzen ist das eine extreme Herausforderung Nur wenige sind diesem Wechsel zwischen Überflutung und Trockenfallen gewachsen Bis zur Kanzelbrücke, 8 km von der Staumauer entfernt, staut sich die Möhne zurück Ab hier wird sie zu einem völlig anderen Gewässer Dabei sind Verwandlungen im Prinzip ganz natürlich Als kleiner Waldbach strömt die Möhne zunächst rasch voran Nur wenige Tiere können sich da halten Der Feuersalamander achtet darauf, nicht in ihren Sog zu geraten Weiter abwärts leben Fischarten, die kaltes, klares und sauerstoffreiches Wasser lieben Elritzen etwa Bis in die Stauseen dringen sie nur selten vor Oft sind die zu sauerstoffarm Während der Reiher sowohl an Bächen als auch an Stauseen jagen kann, sind die jungen Wasseramseln und ihre Mutter typische Bewohner schnellfließender Gewässer Kommen Nebenbäche dazu, wird der Fluss von Natur aus breiter und die Strömung ruhiger Pflanzen besiedeln die Ufer und bieten der Gebänderten Prachtlibelle einen guten Ansitz für ihre Jagd auf Insekten Diese Libellenart ist typisch für langsam fließende Gewässer, in denen sich auch ihre Larven entwickeln Zunehmend wird das Wasser wärmer und nährstoffreicher Die Stauung beginnt sich bemerkbar zu machen Die Fließgeschwindigkeit nimmt weiter ab Fischarten können sich ansiedeln, die mit starken Strömungen nicht zurechtkämen

Barsche etwa Äschen Und Grundeln Noch ruhiger lieben es die Karpfen Für sie sind deshalb die flachen Vorsperren der Möhne gut geeignet Hier ist das Wasser am wärmsten und zieht Heidelibellen und Wasserläufer an Reiche Beute für den Grünfrosch Ihm wiederum ist ein anderer Jäger auf den Fersen Der früher Fischreiher genannte Graureiher fängt längst nicht nur Fische Selbst Libellenlarven machen Jagd auf kleine Amphibien, wie diesen Fadenmolch * Musik * Doch dieses Mal bekommt ihn ein anderer zu fassen Das Weibchen der Blaugrünen Mosaikjungfer legt innerhalb 1 h bis zu 200 Eier ab Allerdings nur dort, wo sie geeignete Bedingungen findet Diese Libelle braucht dicht bewachsene Ufer In solchen Seen entwickelt sich auch unter Wasser bei mehr oder weniger gleichem Wasserstand ein Pflanzendickicht Viele Fische sind darauf angewiesen Etwa, um ihre Kinderstuben anzulegen Der Hecht z.B. braucht Verstecke, in denen er auf Beute lauert Nur hier entwickelt sich sein Laich So hingegen sehen viele Ufer von Stauseen aus Pflanzen finden da keinen Halt, weder über, noch unter Wasser In solcher Ödnis können nur wenige Arten leben * Musik * An der Kanzelbrücke beginnt nun für die Möhne der Wandel von einem natürlichen in ein künstliches Gewässer Vor der Brücke lockt sie besonders viele Wasservögel an Das hat seinen Grund Wer hinter der Brücke direkt im eigentlichen Stausee brüten will, wie dieser Haubentaucher, sieht immer wieder aufs Neue sein Nest untergehen Vor der Kanzelbrücke dagegen entsteht durch den Rückstau bereits eine Wasserfläche mit wenig Strömung Außerdem wirken sich Wasserschwankungen hier kaum aus Den Vögeln schwimmt nicht die Kinderstube weg Gute Bedingungen für Wasservögel und Libellen Dieser Haubentaucher wird mehr Erfolg haben als sein Artgenosse im Stausee Trinkwasserreservoirs setzen saubere Flüsse voraus So machen selten die Stauseen eine Region zum Naturidyll Sondern sie wurden dort angelegt, weil die Natur noch in Ordnung ist Schon oberhalb der Stauung ist die Möhne ein ideales Revier für den Eisvogel Anpeilen Stoßtauchen Betäuben Kopf voran schlucken Anders als Eisvögel sind Kanadagänse reine Vegetarier Sofort nach dem Schlüpfen verlassen die Küken das Nest und suchen sich ihre Nahrung von Anfang an selbst Der Gänsevater ist beunruhigt Eine Ringelnatter Doch in Begleitung der wachsamen Eltern, haben die Gänsejungen von der Schlange nichts zu befürchten Wie die meisten Wasservögel könnte auch diese Schwanenfamilie auf natürlichen Seen mindestens ebenso gut leben Doch die sind in Nordrhein-Westfalen rar Deshalb nehmen sie Stauseen als willkommenen Ersatz an Fast jeder geschützte Platz in der Möhneaue verwandelt sich in eine Vogelkinderstube Auch Blässhuhn-Küken sind “Nestflüchter”,

die schon früh schwimmen können In den ersten Tagen bleiben sie noch größtenteils im Nest, um sich wärmen und füttern zu lassen Beide Partner versorgen gemeinsam die Jungen Die erwachsenen Vögel ernähren sich v.a. von Pflanzen Den Nestlingen werden kleine Wirbeltiere gereicht Bis in die 1970er-Jahre kamen am Möhnesee bis zu 10.000 Blässhühner zusammen Danach wurden es deutlich weniger Naturschützer vermuten, dass der Rückgang der Ufervegetation eine der Ursachen ist Alarm bei den Haubentauchern Unbekanntes Objekt nähert sich dem Nest Eine Biberratte Doch das aus Südamerika stammende Nagetier hat es gar nicht auf die Jungen abgesehen Die warnenden Vögel irritieren es Doch ein paar Meter weiter ist die Biberratte noch weniger geduldet Dabei führt sie nichts Böses im Schilde, sie ist reiner Vegetarier Ganz im Gegensatz zu Haubentauchern Die Fischfänger brüten nirgendwo so zahlreich wie am Möhnesee Ihnen ist egal, dass der Fischreichtum des Sees größtenteils auf gezüchteten und eingesetzten Tieren beruht Das gilt auch für die Urfttalsperre, die zu den ökologisch wertvollsten Talsperren des Landes gehört Jahrzehntelang war sie Teil eines englisch-belgischen Truppenübungsplatzes, weshalb sich die Natur dort relativ ungestört entfalten konnte Heute bildet der Urftsee das Herzstück des Nationalparks Eifel Die Ranger sehen diese Tiere allerdings nicht gern hier Denn die Mufflons gehören nicht zur einheimischen Tierwelt Sie stammen aus Korsika und wurden einst als Jagdwild eingeführt Weit beliebter dagegen sind die größten Pflanzenfresser unserer Wälder Das Rotwild wurde auf dem einstigen Truppenübungsplatz kaum von Menschen gestört und zeigt sich deshalb bis heute auch tagsüber Wie überall im Nationalpark Eifel werden die Wälder an der Urfttalsperre größtenteils sich selbst überlassen * Musik * Jahrzehntelang mussten die Hirsche keine Feinde fürchten Doch seit einigen Jahren streifen Luchse durch das Gebiet Erwachsene Hirsche sind für sie als Beute zu groß, aber jungen Kälbern können die Katzen gefährlich werden Der Raubtiergeruch stimmt die Hirsche zumindest argwöhnisch Woher die scheuen Jäger kommen, ist bislang unbekannt Aber Naturschützer hoffen, dass sie bleiben Auch in den Baumwipfeln rings um die Talsperre hat sich ein Tier ansiedeln können, das anderswo selten geworden ist Der Rotmilan Er braucht Bäume zum Brüten, aber freie Sicht zum Jagen Rotmilane sind nirgendwo so häufig wie in Deutschland Doch sinkt die Zahl der Greife mit dem markanten Gabelschwanz Intensivlandwirtschaft und Windparks zählen zu den Hauptgründen Regionen wie die Urfttalsperre sind deshalb wichtige Refugien Auf Feldern jagt er Mäuse An großen Gewässern mutiert er zu einem ebenso geschickten Fischjäger Der Milan profitiert ebenso von dem Fischbesatz aus 2. Hand, wie jene Fischjäger, die dieser Ranger gerade im Blick hat Kormorane Hier sind sie im Gegensatz zu vielen anderen Regionen willkommen Helfen sie auch, den eingesetzten Fischbestand zu regulieren

Von 2010 bis heute ist die Brutkolonie auf der Talsperren-Insel Krummenauel auf etwa 50 Paare angewachsen Rings um die Stauseen erstrecken sich weite Wälder Interessanterweise hat sich ein Tier, das eigentlich als typischer Waldbewohner gilt, sich auf einer Lichtung angesiedelt Zwischen den Trümmern eines gesprengten Bunkers geht ein Wildkater auf Pirsch Der Neuntöter entdeckt den Jäger aber rechtzeitig Die Katze wacht darüber, dass sich der Kater ihren Jungen nicht nähert Es kann vorkommen, dass er sie tötet An der Aufzucht der Kleinen beteiligt er sich nicht Die Kätzchen wollen die Welt erkunden Schon jetzt interessiert sie alles, was sich bewegt Auch die Mutter hat das Neuntöterweibchen entdeckt Das Männchen füttert währenddessen die Jungen und entsorgt die Hinterlassenschaften Die Partner wechseln sich regelmäßig ab An der Urfttalsperre ist der weitaus seltenere Verwandte zu beobachten Der etwa amselgroße Raubwürger Wie der Neuntöter spießt er seine Beute gern auf Eine Art Vorratshaltung Außerdem lässt sich so leichter davon fressen Aber auch er muss sich vor dem Rotmilan in Acht nehmen Vogelexperte Stefan Brücher hat gefiederte Jäger im Visier, die noch ein Weilchen brauchen, bis sie anderen gefährlich werden Seit über 30 Jahren erfasst er den Uhubestand in der Eifel Bei Felsbrütern erfordert das allerdings einiges an Einsatz Das Uhumännchen bleibt in sicherer Entfernung Das Weibchen ist dem Stress nicht gewachsen Um die Entwicklung des Bestandes zu verfolgen, beringt der Ornithologe die Jungen Lange war der Uhu in der Region verschwunden Doch die Überwachung der Horste zeigt Erfolg An den Talsperren der Eifel brüten inzwischen wieder 5 Paare Doch immer wieder findet Brücher Überreste von Jungvögeln, die an Strommasten verendet sind Diese haben überlebt In einer Auffangstation werden sie gesund gepflegt Dann wird ihr Frieden plötzlich gestört Die jungen Vögel sind verwirrt Sie können nicht wissen, dass ihr Artgenosse deshalb eingefangen wird, damit er endlich wieder ganz frei sein kann Für ihn geht es zurück in sein Revier an der Talsperre Brücher hofft, dass der junge Uhu es schaffen wird, sich selbst zu versorgen * Musik * Die Chancen stehen gut Die Wälder der Talsperren sind für den Uhu ein ergiebiges Jagdrevier Denn hier leben eine ganze Reihe möglicher Beutetiere Wo es Zapfenschuppen regnet, ist das Eichhörnchen nicht weit In zahlreichen Felsritzen finden Mäuse ein Versteck Ein Zapfen reicht dem Eichhörnchen nicht Es geht an einen seiner vielen Vorräte * Musik * Überaus vorsichtig huscht die Maus von Versteck zu Versteck Doch sie braucht etwas zu fressen Als “Ansitzjäger” beobachtet der Uhu so lange seine Umgebung,

bis er eine Bewegung sieht oder es rascheln hört Wo die Mäuse ihre Verstecke haben, registriert er genau Sein Angriff ist nahezu lautlos Und endet meist tödlich Weite Wasserflächen sind ideal für Jäger, die eine andere Strategie verfolgen Die Wahnbachtalsperre im Bergischen Land gehört zum Revier des Mäusebussards Er ist, entgegen seines Namens, durchaus Fisch nicht abgeneigt Als vergleichsweise schlechter Fischfänger hält er jedoch eher nach toten Fischen Ausschau * Musik * Während das Männchen Nahrung sucht, füttert das Weibchen die Jungen Doch plötzlich bekommt es unerwarteten Besuch Der Eichelhäher setzt alles daran, den Greifvogel aus seinem Revier zu vertreiben Wahrscheinlich hat er selber Junge in der Nähe David gegen Goliath Der Bussard aber wird sicher zurückkehren Damit wohl auch der Nachbarschaftsstreit Die berühmteste Talsperre des Landes ist die Wiehltalsperre im Oberbergischen Millionen von Zuschauern genießen seit über 20 Jahren diesen Anblick vor Fußballsendungen Nicht nur der See selbst, auch dessen Zuflüsse und Wälder sind streng geschützt So findet der Schwarzstorch genügend Ruhe und Nahrung Frösche und Fische sammelt er zunächst im Kropf, denn er muss Junge versorgen Bis zu seiner Rückkehr hat der Partner ein wachsames Auge auf den Nachwuchs Der trainiert bereits die Schwingen Aber bis zum Abflug wird er sich noch 2 bis 3 Wochen gedulden müssen Jetzt geht der andere Altvogel auf Jagd, und der Heimkehrer füttert Dazu würgt er das im Kropf Gesammelte wieder hervor * Musik * Die Neyetalsperre bei Wipperfürth ist inzwischen ein wichtiges Erholungsgebiet Als Trinkwasserspeicher kann sie allerdings nicht mehr dienen 2015 flossen mehr als 1,7 Mio. l Gülle in den Stausee Gifteintrag aus der Landwirtschaft ist vielerorts ein Problem Der Wald wird auch hier teilweise sich selbst überlassen Vermoderndes Holz bietet Pilzen einen guten Nährboden Die Hornissenkönigin ist auf hohle, abgestorbene Bäume angewiesen, wenn sie einen neuen Staat bilden will 5 Wochen dauert es, bis die Larven der Königin über das Puppenstadium hinaus sind und als Arbeiterinnen das Nest verlassen Erst dann können sie bei der Aufzucht weiterer Nachkommen helfen Bis dahin hängt das Überleben des ganzen Volkes von der Königin ab Ein solcher Wald ist ein Dorado für Höhlenbrüter wie die Kohlmeise Zwar hat sich der beliebte Gartenvogel so gut angepasst, dass er auch Nistkästen annimmt Tote Bäume aber sind seine natürliche Kinderstube Natürlich dürfen Spechte hier nicht fehlen Fast sämtliche einheimische Arten sind vertreten

Der junge Grünspecht bekommt Ameisen und deren Larven zugesteckt, die seine Eltern vom Boden aufsammeln Buntspechte dagegen suchen ihre Nahrung meist an Baumstämmen Die mitgebrachten Insekten hat das Weibchen unter der Rinde “hervorgeklopft” * Musik * Mit seinem Totholz und vielen Bächen lockt der Talsperren-Wald selbst den größten heimischen Specht an Dank seines kräftigen Schnabels kann der Schwarzspecht Käfer und Maden mitbringen, die so tief im Holz leben, dass sie anderen Spechten entgehen Direkt am Ufer des Stausees findet der seltene Kleinspecht ein Revier Der Winzling ist kaum größer als ein Sperling Ob im Bergischen Land, im Sauerland oder in der Eifel Überall, wo der Mensch Staumauern baute, hat er die Landschaft verändert Nahe der Wehebachtalsperre im Kreis Düren sind allerdings noch andere Staumeister am Werk Anfang der 1980er-Jahre setzte die Landesforstverwaltung einige Exemplare des Europäischen Bibers aus Polen an der Talsperre aus Von da aus haben sich die Tiere verbreitet und sind an den Zuflüssen wieder heimisch geworden Biber bauen Dämme, damit die Eingänge ihrer Baue gut geschützt unter Wasser liegen Direkt am Stausee können sie ihre Burgen nicht errichten Die würden entweder trockenfallen oder überflutet Der bis zu 30 kg schwere Nager fällt Bäume aber auch, um besser an die zarteren Zweige zu kommen Die lässt er sich nicht gerne wegnehmen Biber sind recht scheu, weshalb sich Tierfotografen wie Heinrich Pützler vorsichtig nähern müssen Zwar sehen Biber nicht sonderlich gut, haben aber eine feine Nase Der Sommer, wo die Abende lange hell sind, ist für den Fotografen die beste Zeit Denn gewöhnlich verlassen die vorsichtigen Nager erst bei Dunkelheit ihren Bau Das können sie sich in den kurzen Nächten nicht leisten Da Biber reine Vegetarier sind, müssen sie relativ viel fressen Wasserpflanzen und Baumtriebe stehen auf dem Speiseplan Die geselligen Tiere bleiben als Familie lange zusammen Oft verlassen die Jungtiere erst im Alter von 2 Jahren das elterliche Revier Als das Licht nicht mehr zum Fotografieren reicht, bringt Pützler eine Infrarotkamera an So bleibt ihm nichts im Leben der großen Nager verborgen Erwischt Biber schaffen es, einen Baum mit 1/2 m Durchmesser in nur einer Nacht zu fällen Damit machen sie sich vielerorts nicht beliebt An der Wehebachtalsperre lässt man sie gewähren Talsperren konnten nur dort angelegt werden, wo die Landschaft dünn besiedelt ist Andernfalls hätten zu viele Menschen ihre Heimat verloren Durch ihre ruhige Lage ziehen sie viele Tiere an Manche dauerhaft, manche als Durchzügler Den Seeadler etwa Mit einer Flügelspannweite von 2,5 m ist er unser größter Greifvogel Ihn lockt es besonders im Herbst an die Oleftalsperre Die meisten Touristen sind weg, stattdessen viele Zugvögel da Die Kanadagänse haben offenbar keine Angst Tatsächlich legt sich der Greif selten mit so großen Beutetieren an Doch sein suchender Blick weckt wohl ihren Argwohn (schnattern) Ihr Protest hat Erfolg * Musik * Bald zeigt sich der Herbst nicht nur an den Gästen,

sondern auch in den Farben des Waldes Und den für diese Zeit typischen Klängen (Hirsch röhrt) An den Stauseen der Eifel ist die Hirschbrunft in vollem Gang (röhrt) Die um die Kühe buhlenden Hirsche lassen sich im Nationalpark Eifel vergleichsweise gut beobachten Vertreibt das Imponiergehabe den Herausforderer nicht, setzen die Hirsche Geweih und Muskelkraft ein * Musik * Trotz der spitzen Enden verletzen sich die Hirsche relativ selten Ineinander verhakt dienen die Geweihe eher als Abstandshalter (röhren) Ende Oktober kehrt allmählich wieder Ruhe ein Die Stauseen zeigen ein anderes Gesicht als im Frühjahr Sie haben nach den eher trockeneren Sommermonaten im Herbst ihren niedrigsten Füllstand Das gilt für die Urfttalsperre in der Eifel ebenso, wie für die Möhnetalsperre bei Soest * Musik * Den See bevölkern jetzt große Trupps Reiherenten Sie finden im Naturschutzgebiet der Talsperre die nötige Ruhe für ihre Mauser Zeitweise kommen um 2.000 Enten zusammen Damit ist diese Art der häufigste gefiederte Gast an der Talsperre Den Kormoran können Biologen seit etwa 20 Jahren hier beobachten (schnattern) Es wurden bereits um die 1.500 im Herbst gezählt Auch eine 1. Brutkolonie des geschickten Fischjägers hat sich einige Kilometer von der Talsperre entfernt in einem ungestörten Auengebiet angesiedelt Naturschutz, Wasserwirtschaft und Freizeit Nicht nur an der Möhnetalsperre ist es weitgehend gelungen, diese 3 Ziele zu vereinen Deshalb gehören seine Stauseen heute zu dem Wertvollsten, was Nordrhein-Westfalen zu bieten hat * Musik * Copyright WDR 2019